Anfang vergessen? Lies ihn nochmal!
Isaac wanderte durch die Straßen der Feste. Er hatte keine Ahnung wohin er ging. Irgendwie hoffte er, dass er irgendwo ein Schild mit „Psioniker-Gemeindetreff“ sieht, sah aber keins.
Komisch, wie die Lerxianer immer über die Psioniker redeten, würde man meinen, die Feste wimmelt nur so von ihnen.
Erschrocken musste Isaac feststellen, dass er sich innerlich schon von dem Glauben seiner Eltern abgewandt hat. Kein Wunder. Außerdem hat er die Psioniker bei ihrem richtigen Namen genannt, nicht Dämonenkinder, wie es ihm jahrelang eingetrichtert wurde. Wie Dinge sich in solch einer kurzen Zeit ändern können.
Es führte kein Weg dran vorbei, er müsste jemand fragen. Also suchte sich Isaac den nächsten freien Verkaufstand.
„Entschuldigen Sie…“
„Ja, mein Junge?“, antwortet der Standbesitzer in einer starken tragenden Stimme, „Wie kann ich dir an diesem wunderschönen Tag helfen. Bist du an meinen Waren interessiert?“
Isaac warf einen schnellen Blick auf die verschiedenen Werkzeuge, die der Stand anbot.
„Nein, danke. Ich kenn mich nicht so gut in diesen Teil der Feste aus und ich habe gehofft, dass sie mir weiterhelfen könnten“
„Natürlich, wo willst du denn hin?“
Irgendwie wusste Isaac, dass dieser Mensch ihm wirklich helfen wollte, er sah das Mitgefühl in seinen Augen. Sah Isaac denn so hilflos und verloren aus? Na gut, er war nicht gerade der größte mit seinen 14 Jahren. Außerdem hatte er die roten Haare und die grünen Augen von seiner Mutter geerbt. Gleichzeitig das kindliche Gesicht von seinem Vater. Diese Kombination lasse ihn angeblich süß aussehen. Der Gedanke an seinen Eltern sorgte dafür, dass ein Magen sich zusammen zieht. Er wollte nicht mehr länger an sie denken, also stellte er die Frage.
„Ich suche die Psioniker, könnt ihr mir sagen wo ich sie finde?“
Der Standbesitzer sah Isaac einen Moment verwirrt an und lachte dann laut los.
„Guter Scherz! Für einen Moment dachte ich, du meinst es ernst. Du solltest unbedingt irgendwann mal im Theater arbeiten. Du hast Talent.“
„Aber ich,….“
Der Standbesitzer unterbrach ihn.
„Nun ist aber genug der Scherze, manche von uns müssen arbeiten. Wie wärst wenn du jetzt weitergehst und deine Scherze woanders spielst.“
Das Mitgefühl war aus seinen Augen verschwunden und wurde nun von Ungeduld ersetzt.
Isaac ging weiter und fragt immer wieder bei anderen Leuten nach. Er bekam größtenteils dieselbe Antwort. Die Psioniker gibt es nicht. Er wäre zu alt um an solche Ammenmärchen zu glauben und er solle wieder nach Hause gehen. Zweimal hat er eine andere Antwort bekommen. Einmal von einem Mann, der behauptete die Psioniker kann man nur finden, wenn sie sich finden lassen wollten und das andere Mal hat Isaac aus Versehen ein Lerxianer angesprochen und hat sofort die Rede über Dämonenkinder bekommen. Er verließ den Mann so schnell er konnte. Seine Stimme hallte ihm eine Weile hinterher. Anscheinend hat er nicht bemerkt, dass sein junger Zuhörer schon verschwunden war.
Der Tag ging nun langsam zu neige und Isaac war kein einziges Stück weiter gekommen. Langsam fragte er sich ob es die Psioniker überhaupt gibt. Wenn nicht, dann war er vollkommen verrückt geworden, da war er sich sicher.
Also wenn er schon verrückt war, dann konnte er auch weiterhin mit den Stimmen in seinem Kopf reden. Seit er ohnmächtig geworden ist, musste er nicht mehr unter Kopfschmerzen leiden, daher war Isaac etwas zurückhaltend die Stimmen freiwillig in seinem Kopf zu suchen. Auf der anderen Seite, falls er nicht verrückt war, müssten die Stimmen die Psioniker sein. So konnte er sie direkt fragen, wo man sie finden kann.
Er fand einen Ort wo er relativ alleine war und setzte sich hin. Mit geschlossenen Augen versuchte er die Leere wiederzufinden, die er in seiner Ohnmacht besucht hatte. Nach einer Weile fand er, dass es in seinem Kopf stiller wurde, wenn er an nichts dachte. Es war unglaublich schwer, weil immer wieder Gedanken in seinem Kopf driftete wie: Das ist nutzlos und du bist verrückt. Plötzlich hörte er flüstern. Er war so erschrocken, dass er die Augen aufmachte und sich wild umsah. Keiner war in der Nähe und das einzige Geräusch, waren die Schritte einzelner Menschen und Zwerge die auf ihrem Heimweg waren. Er schloss die Augen erneut und näherte sich wieder der Stille an. Das Flüstern kam wieder aber diesmal machte er weiter. Das Flüstern wurde lauter und bald verstand er, was gesagt wurde.
„Aller klar, wir haben uns nun geeinigt, dass wir hingehen. Die Frage ist nur wer?“
Alles war Still und Isaac hatte die Befürchtung, dass er irgendwie die Stimmen wieder verloren hat.
„Es muss das erste Mal in der Geschichte der Psioniker sein, dass alle mal Still waren.“
„Das vierte Mal.“
„Ist doch egal“
„Klugscheißer“
„Langweiler“
„Was hat das mit Langeweile zu tun.“
„Hat irgendjemand übrigens den Jungen gefunden, der nach uns gefragt hat.“
„Hab ihn leider in der Menge verloren.“
„Glaubst du wirklich das es Isaac war“
„Wer ist Isaac?“
„Na, der Neue?“
„Welcher Neue?“
„Wir haben ein Neuen?“
„Was meint ihr, was vorhin passiert ist?“
Mit plötzlicher Erregung, merkte Isaac, dass diese Psioniker über hin reden. Also nahm er seinen Mut zusammen.
„Hallo…“
Wieder hat er das Gefühl, dass die ganze Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet wurde. Es war recht unangenehm und fast hätte er die Verbindung zu den Stimmen verloren.
„Das ist Isaac.“
„Hey Isaac“
„Wer ist Isaac?“
Weiterhin prasselten Begrüßungen auf ihn ein. Isaac war sich nun ziemlich sicher, dass er nicht verrückt war und irgendwie mit den Psioniker in Verbindung treten konnte, aber er musste nachfragen.
„Bin ich verrückt?“
Erheiterung breitete sich unter den Stimmen aus und auch ein wenig Besorgnis.
„Nein, bist du nicht. Wie sind alle Psioniker. Du auch.“
„Deswegen brauchen wir eine, damit das nicht passiert.“
„Wissen wir.“
„Hört auf Isaac zu verwirren“
Die Psioniker lenkten ihre Aufmerksamkeit etwas von Isaac ab als sie wieder anfingen zu diskutieren. Dies gewährte Isaac etwas Zeit zum Nachdenken. Er war ein Psioniker. Er! Vorher hatte er nie diese Möglichkeit bedacht, aber nun da es ihm gesagt wurde ergab es Sinn. Es würde Onkel Jakob freuen, dass er mit seinen Anschuldigungen doch Recht hatte.
„Es tut uns Leid, was du durchstehen musstest.“
„Es wird schon wieder.“
„Das Leben geht weiter“
„Wo kann er denn bleiben?“
„Bei mir?“
„Er sollte bei mir bleiben! Ich hab Braten!“
„Woher wisst ihr denn, dass ich von Zuhause weggerannt bin?“
Jemand der direkt vor Isaac stand sprach nun zu ihm.
„Das erkläre ich dir woanders.“
Isaac erschrak und öffnete blitzschnell die Augen. Ein älterer Mann stand vor ihm und bot ihm eine Hand an. Isaac nahm sie und der Mann half ihm mit einer Kraft, die er nicht erwartet hatte auf. Beim hochziehen verlor er die Verbindung zu den anderen Stimmen.
„Ich bin Omar … und ein Psioniker“, obwohl der Mann den ersten Teil sagte, ertönte der zweite Teil in seinem Kopf ohne dass Omar die Lippen bewegte.
„Komm, ich wette du hast Hunger“
„Gibt es Braten?“, konnte sich Isaac die Frage nicht verkneifen.
Omar lachte „Nein, aber wir können Hagen gerne mal besuchen.“
Isaac war froh. Er musste nicht draußen übernachten, er hatte eine Mahlzeit und das Allerwichtigste: Er hatte die Psioniker gefunden.
Geschrieben von Martin

