Das Leben in einer Gemeinschaft – Isaac Teil 3

Anfang vergessen? Lies ihn nochmal!

Isaac wanderte durch die Straßen der Feste. Er hatte keine Ahnung wohin er ging. Irgendwie hoffte er, dass er irgendwo ein Schild mit „Psioniker-Gemeindetreff“ sieht, sah aber keins.
Komisch, wie die Lerxianer immer über die Psioniker redeten, würde man meinen, die Feste wimmelt nur so von ihnen.
Erschrocken musste Isaac feststellen, dass er sich innerlich schon von dem Glauben seiner Eltern abgewandt hat. Kein Wunder. Außerdem hat er die Psioniker bei ihrem richtigen Namen genannt, nicht Dämonenkinder, wie es ihm jahrelang eingetrichtert wurde.  Wie Dinge sich in solch einer kurzen Zeit ändern können.
Es führte kein Weg dran vorbei, er müsste jemand fragen. Also suchte sich Isaac den nächsten freien Verkaufstand.
„Entschuldigen Sie…“
„Ja, mein Junge?“, antwortet der Standbesitzer in einer starken tragenden Stimme, „Wie kann ich dir an diesem wunderschönen Tag helfen. Bist du an meinen Waren interessiert?“
Isaac warf einen schnellen Blick auf die verschiedenen Werkzeuge, die der Stand anbot.
„Nein, danke. Ich kenn mich nicht so gut in diesen Teil der Feste aus und ich habe gehofft, dass sie mir weiterhelfen könnten“
„Natürlich, wo willst du denn hin?“
Irgendwie wusste Isaac, dass dieser Mensch ihm wirklich helfen wollte, er sah das Mitgefühl in seinen Augen. Sah Isaac denn so hilflos und verloren aus? Na gut, er war nicht gerade der größte mit seinen 14 Jahren. Außerdem hatte er die roten Haare und die grünen Augen von seiner Mutter geerbt. Gleichzeitig das kindliche Gesicht von seinem Vater. Diese Kombination lasse ihn angeblich süß aussehen. Der Gedanke an seinen Eltern sorgte dafür, dass ein Magen sich zusammen zieht. Er wollte nicht mehr länger an sie denken, also stellte er die Frage.
„Ich suche die Psioniker, könnt ihr mir sagen wo ich sie finde?“
Der Standbesitzer sah Isaac einen Moment verwirrt an und lachte dann laut los.
„Guter Scherz! Für einen Moment dachte ich, du meinst es ernst. Du solltest unbedingt irgendwann mal im Theater arbeiten. Du hast Talent.“
„Aber ich,….“
Der Standbesitzer unterbrach ihn.
„Nun ist aber genug der Scherze, manche von uns müssen arbeiten. Wie wärst wenn du jetzt weitergehst und deine Scherze woanders spielst.“
Das Mitgefühl war aus seinen Augen verschwunden und wurde nun von Ungeduld ersetzt.

Isaac ging weiter und fragt immer wieder bei anderen Leuten nach. Er bekam größtenteils dieselbe Antwort. Die Psioniker gibt es nicht. Er wäre zu alt um an solche Ammenmärchen zu glauben und er solle wieder nach Hause gehen. Zweimal hat er eine andere Antwort bekommen. Einmal von einem Mann, der behauptete die Psioniker kann man nur finden, wenn sie sich finden lassen wollten und das andere Mal hat Isaac aus Versehen ein Lerxianer angesprochen und hat sofort die Rede über Dämonenkinder bekommen. Er verließ den Mann so schnell er konnte. Seine Stimme hallte ihm eine Weile hinterher. Anscheinend hat er nicht bemerkt, dass sein junger Zuhörer schon verschwunden war.

Der Tag ging nun langsam zu neige und Isaac war kein einziges Stück weiter gekommen. Langsam fragte er sich ob es die Psioniker überhaupt gibt. Wenn nicht, dann war er vollkommen verrückt geworden, da war er sich sicher.

Also wenn er schon verrückt war, dann konnte er auch weiterhin mit den Stimmen in seinem Kopf reden. Seit er ohnmächtig geworden ist, musste er nicht mehr unter Kopfschmerzen leiden, daher war Isaac etwas zurückhaltend die Stimmen freiwillig in seinem Kopf zu suchen. Auf der anderen Seite, falls er nicht verrückt war, müssten die Stimmen die Psioniker sein. So konnte er sie direkt fragen, wo man sie finden kann.

Er fand einen Ort wo er relativ alleine war und setzte sich hin. Mit geschlossenen Augen versuchte er die Leere wiederzufinden, die er in seiner Ohnmacht besucht hatte. Nach einer Weile fand er, dass es in seinem Kopf stiller wurde, wenn er an nichts dachte. Es war unglaublich schwer, weil immer wieder Gedanken in seinem Kopf driftete wie: Das ist nutzlos und du bist verrückt. Plötzlich hörte er flüstern. Er war so erschrocken, dass er die Augen aufmachte und sich wild umsah. Keiner war in der Nähe und das einzige Geräusch, waren die Schritte einzelner Menschen und Zwerge die auf ihrem Heimweg waren. Er schloss die Augen erneut und näherte sich wieder der Stille an. Das Flüstern kam wieder aber diesmal machte er weiter. Das Flüstern wurde lauter und bald verstand er, was gesagt wurde.

„Aller klar, wir haben uns nun geeinigt, dass wir hingehen. Die Frage ist nur wer?“
Alles war Still und Isaac hatte die Befürchtung, dass er irgendwie die Stimmen wieder verloren hat.
„Es muss das erste Mal in der Geschichte der Psioniker sein, dass alle mal Still waren.“
„Das vierte Mal.“
„Ist doch egal“
„Klugscheißer“
„Langweiler“
„Was hat das mit Langeweile zu tun.“
„Hat irgendjemand übrigens den Jungen gefunden, der nach uns gefragt hat.“
„Hab ihn leider in der Menge verloren.“
„Glaubst du wirklich das es Isaac war“
„Wer ist Isaac?“
„Na, der Neue?“
„Welcher Neue?“
„Wir haben ein Neuen?“
„Was meint ihr, was vorhin passiert ist?“

Mit plötzlicher Erregung, merkte Isaac, dass diese Psioniker über hin reden. Also nahm er seinen Mut zusammen.
„Hallo…“
Wieder hat er das Gefühl, dass die ganze Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet wurde. Es war recht unangenehm und fast hätte er die Verbindung zu den Stimmen verloren.
„Das ist Isaac.“
„Hey Isaac“
„Wer ist Isaac?“
Weiterhin prasselten Begrüßungen auf ihn ein. Isaac  war sich nun ziemlich sicher, dass er nicht verrückt war und irgendwie mit den Psioniker in Verbindung treten konnte, aber er musste nachfragen.
„Bin ich verrückt?“
Erheiterung breitete sich unter den Stimmen aus und auch ein wenig Besorgnis.
„Nein, bist du nicht. Wie sind alle Psioniker. Du auch.“
„Deswegen brauchen wir eine, damit das nicht passiert.“
„Wissen wir.“
„Hört auf Isaac zu verwirren“

Die Psioniker lenkten ihre Aufmerksamkeit etwas von Isaac ab als sie wieder anfingen zu diskutieren. Dies gewährte Isaac etwas Zeit zum Nachdenken. Er war ein Psioniker. Er! Vorher hatte er nie diese Möglichkeit bedacht, aber nun da es ihm gesagt wurde ergab es Sinn. Es würde Onkel Jakob freuen, dass er mit seinen Anschuldigungen doch Recht hatte.
„Es tut uns Leid, was du durchstehen musstest.“
„Es wird schon wieder.“
„Das Leben geht weiter“
„Wo kann er denn bleiben?“
„Bei mir?“
„Er sollte bei mir bleiben! Ich hab Braten!“
„Woher wisst ihr denn, dass ich von Zuhause weggerannt bin?“

Jemand der direkt vor Isaac stand sprach nun zu ihm.
„Das erkläre ich dir woanders.“
Isaac erschrak und öffnete blitzschnell die Augen. Ein älterer Mann stand vor ihm und bot ihm eine Hand an. Isaac nahm sie und der Mann half ihm mit einer Kraft, die er nicht erwartet hatte auf. Beim hochziehen verlor er die Verbindung zu den anderen Stimmen.
„Ich bin Omar … und ein Psioniker“, obwohl der Mann den ersten Teil sagte, ertönte der zweite Teil in seinem Kopf ohne dass Omar die Lippen bewegte.
„Komm, ich wette du hast Hunger“
„Gibt es Braten?“, konnte sich Isaac die Frage nicht verkneifen.
Omar lachte „Nein, aber wir können Hagen gerne mal besuchen.“

Isaac war froh. Er musste nicht draußen übernachten, er hatte eine Mahlzeit und das Allerwichtigste: Er hatte die Psioniker gefunden.

Geschrieben von Martin

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Von Luft- und Steinköpfen- Sagarinas Geschichte, Teil 3

Letzten Teil nicht mehr in Erinnerung? Dann lese den Anfang nochmal!

Es gibt Tage, an denen sollte man nicht verkatert sein und versuchen pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Heute war so ein Tag. Sagarina drängte sich durch die lärmenden Massen die den Marktplatz überfluteten. Ihr Kopf schmerzte noch immer, und das Geschrei auf dem Marktplatz machte es nicht besser. Grund für das Geschrei war ein alter Förster, der jetzt nach nunmehr 2 Monaten das erste Holz versteigerte. Er stand auf dem steinernen Podium auf dem sonst Ankündigungen der Regierung gemacht wurden und erklärte gerade der Masse den Unterschied zwischen Fichten- und Eichenholz. Sagarina hatte hiervon keine Ahnung. Woher auch? Holz kaufte man sich, um es an die Wand zu hängen und seinen Reichtum damit zu präsentieren, für sonst nichts. Oder man war einer dieser verrückten Handwerker die glaubten Holz wäre nützlicher als solides Metall.

 Doch Sagarina war weder reich noch verrückt und so beachtete sie den Förster nicht weiter. Das einzige Holz das sie je besitzen würde wäre ihr Rangabzeichen als Behörde der Regierung. Jenes Abzeichen das ihr auf eben diesem Podest überreicht wurde… Sagarina hing diesen Gedanken und anschließend Erinnerungen an ihre Amtsernennung nach und bemerkte dabei nicht, wie ihr ein Zettel in den Mantel geschoben wurde.

 Ebenso wenig registrierte sie, wo sie lang lief, den Weg zum Regierungssitz liefen ihre Beine völlig automatisch- bis sie auf ein unerwartetes Hindernis auf Kniehöhe stießen. Sagarina kippte vornüber und fiel längs zu Boden. Verwirrt rappelte sie sich auf und drehte sich um, um zu sehen worüber sie gefallen war. Als sie es sah, sank ihr Herz ihr in die Hose. Dort stand ein, nun mit Staub bedeckter, Zwerg und funktelte sie Mordlüstern an.

„Vermaledeite Menschin, habt ihr keine Augen im Kopf? Meint ihr, nur weil ihr von der Regierung seid könnt ihr euch alles erlauben?“ Er stapfte auf sie zu, und schimpfte aus der Höhe ihrer Hüfte weiter:

„Ihr eingebildeten, großen Idioten! Oh ja, die Wilden, die bewundert ihr, wenn sie stumpfsinnig in den Bäumen sitzen! Doch wer? WER hat euch denn eure schöne Stadt gebaut? Wer versorgt euch mit Waffen und Werkzeugen, geschweige denn von den Unterirdischen Pilzfarmen? Ihr eingebildeten Luftköpfe seid so wenig Stein wie die Wilden, aber ich mach da nicht mehr mit! Ich werde meinen Clan…“

„Jetzt haltet doch mal für einen Moment den Mund!“ Sagarina schnitt ihm das Wort mitten in seiner Schimpftirade ab. Das letzte was sie jetzt brauchte waren Gerüchte über ihre Zwergenfeindlichkeit, und die ersten Leute drehten sich dem Streit zu. Sie sprach mit gezwungen ruhiger Stimme zu dem Zwerg:

„Hört mir zu, Steinhaupt. Ich war in Gedanken und habe euch übersehen, es war keine-“

„Achso! Dann ist natürlich alles in Ordnung! Ihr habt mich nur übersehen wie ein unwichtiges Stück Dreck! Ihr wiederlichen Luftköpfe! Ihr werdet schon sehen was ihr davon habt wenn mein Clan EUCH übersieht!“ Er schrie die letzten Worte geradewegs heraus und stapfte durch die gaffende Menge davon bevor Sagarina noch etwas erwieder konnte. Die Leute starrten Sagarina an, Sagarina starrte zurück.

Über die Menge der Menschen hallte die raue Stimme des Försters herüber: „Heda! Was ist denn nun mit der Eiche? Will die jemand oder soll ich sie wegen eines jammernden Steins behalten und verbrennen?“ Bei diesen Worten wandte sich die Menge wir ein Haufen kleiner Mädchen wieder kreischend und johlend dem Podest zu, als wäre nichts gewesen. Glück gehabt. Schoss es Sagarina durch den Kopf. Der Mann hatte ihr womöglich gerade den Ruf gerettet. Dankbar sah sie noch kurz zum Podest herauf, wo der Breitschultrige Förster schon wieder eifrig Angebote einholte. Für einen Blick trafen sich ihre Augen, dann wandte Sagarina sich ab und eilte um die nächste Ecke, um dort vor der großen, schillernden Pforte des Sitzes der Regierung zu stehen.

Endlich geschafft. Dachte sie und trat ein.

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Das Leben in einer Gemeinschaft – Isaac Teil 2

Den Anfang vergessen? Lese ihn nochmal!

Isaac lag in einer dunklen Leere. Das schöne hieran war, dass es ruhig war. Nein, es war vollkommen Still.  Es schien, als wäre schon eine lange Zeit vergangen seit er in diese Ruhe gelangte.

„Die Diagnose ist eindeutig. Ein Dämonenkind versucht seiner Gedanken Herr zu werden. Alle Symptome sprechen dafür! Außerdem scheint es als wäre der junge Isaac in einer späten Phase der Übernahme. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.
Die Stimme driftete von weit entfernt an hin ran. Sie kam ihn unbekannt vor, aber er wollte auch gar nicht wissen zu wem sie gehörte, er wollte einfach weiter in dieser Stille liegen.
„Bitte sagt uns, was können wir machen? Mein kleiner Junge leidet doch sicher schrecklich!“
Diese Stimme kannte er. Es war seine Mutter. Aber auch die wollte er nicht hören.
„Nun, die einzige Lösung dagegen wäre eine mentale Barriere. Leider dauert es sehr lange, die nötigen Fähigkeiten zu erlernen.“
„ Mein Junge ist verloren?!“
Verloren klang gut für Isaac. Am besten in dieser Leere.
„Nein, es gäbe noch eine weitere Möglichkeit. Es ist möglich eine notdürftige Barriere aus Emotionen aufzubauen. Sie ist recht brüchig und hält nicht ewig, doch Sie wird uns mehr Zeit kaufen, bis Isaac die richtige Barriere beherrscht.“
Die Stimmen sprachen weiter über mehrere möglichen Therapien und entfernten sich endlich wieder. Isaac fiel tiefer in die Leere und genoss die Stille.

„Glaubt ihr sie würden zustimmen?“
„Natürlich werden sie zustimmen.“
„Haben sie eine Wahl?“
„Und wenn nicht?“
„Mann… ich
könnte endlich mal wieder was zu essen vertragen…“
Wieder hörte Isaac Stimmen. Diesmal schienen sie aber aus seinem Kopf zu kommen.  Wie die Male davor schienen hunderte Stimmen durcheinander zu reden, aber diesmal konnte er sie verstehen. Es war komisch. Waren dies die Dämonenkinder?“
„Du denkst nur ans Essen, es gibt wichtigeres zu besprechen.“
„Wie werden wir sie überreden?“
„Brauchen wir es wirklich, es klappt doch auch bisher so?“
„Die Magier haben eine, dann brauchen auch eine!“
„Warum?“
„Weil Junge Menschen verrückt werden und nicht wissen warum?“
„Ich hol mir jetzt einen saftigen Braten und Grog“
„Interessiert uns nicht!“
„Mach den Kopf zu“
Weiter sprachen die Stimmen, viel mehr traten der Diskussion bei. Alle schienen sie etwas zu diskutieren, was Isaac nicht ganz verstand. Er hörte ihnen weiter zu. Was für einer Sache sollte zugestimmt werden und vom wem?
„Ich sage euch es hat keinen Zweck irgendwelche Drohungen auszusprechen.“
„Natürlich hat es einen Zweck.“
„Wir probieren es erst diplomatisch.“
„Übrigens, ein neuer Magier hat sich gerade fast umgebracht, als er versucht hat eine Anomalie in einer Bibliothek zu richten.“
„Wie das?“
„Hat sich und sein Meister fast unter allen Büchern und Regalen begraben.“
Sehr viele Stimmen lachten. Auch Isaac musste etwas kichern. Irgendwie hatte er ein Bild von einem jungen Mann vor seinem inneren Auge, der gerade fiel und auf einen riesigen Stapel Bücher und Regale starrte welche auf ihn zufielen.
„Hey, wer ist das?“
„Wer?“
„Der?“
„Wer der?“
„Der gerade kichert.“
Sofort hörte Isaac auf. Er hatte das Gefühl als ob viele Fackeln gerade um ihn herum angezündet worden wären und ihn somit in seiner Leere aufdeckten.
„Kenn ich nicht. Muss neu sein.“
„Den Namen Isaac hab ich auch noch nie gehört“
„Oh, seine Eltern sind Lerxianer, das wird nicht leicht für ihn.“
„Kannst du auch eigentlich auch was sagen oder nur kichern“
„Wir beißen auch nicht, wir wollen dir helfen.“
„Ich gebe dir auch gern was von meinem Braten ab.“

Isaac verfiel in Panik. Die Stimmen sprachen zu ihm… sie kannten ihn. Er musste hier weg, so schnell wie möglich. Wenn er nur wüsste wohin. Nach oben… Raus aus der Leere, raus aus dem Fackelschein.

Blitzschnell setzte sich Isaac aufrecht. An seiner Bettdecke klammerte er sich, als ob sein Leben daran hing. Kalter Schweiß rollte seine Stirn herunter. Es war ein Traum, alles nur ein Traum. Die Stimmen waren nun Weg. Es musste alles ein Traum gewesen sein, die ganze letzte Woche. Alles ein großer epischer Albtraum.

Die Tür zu seinem Zimmer ging auf und deine Mutter trat ein, gefolgt von einem Mann den Isaac nicht kannte. Der Mann hatte eine Glatze und eine kleine runde Brille auf der Nase. Dieser Mann schien sich für unheimlich wichtig zu halten, wie fast alle Lerxianer.
„Isaac, dies ist Doktor Pleger. Er wird dir helfen.“, stellte seine Mutter den Fremden vor.
Der Doktor verbeugte sich leicht und sprach mit einer Stimme, die ihn an seine Lehrer erinnerte. „Isaac, ich bin mir sicher, dir ist bewusst, dass ein Dämonenkind versucht in deine Gedanken einzudringen. Dies ist allgemein nicht so schlimm wie man vermutet, da man sie leicht abwehren kann. Sie haben einen schwachen Willen und so haben sie keine Chance gegen Lerxes Gerechtigkeit. Bei dir ist dieses Eindringen leider zu lang unentdeckt geblieben. Es ist nicht deine Schuld. Manche Dämonenkinder sind recht hinterlistig. Um uns etwas Zeit zu kaufen um dir beizubringen wie man eine richtige mentale Barriere errichtet, werden wir eine provisorische emotionale schaffen, doch dazu musst du mir vertrauen.“

Isaac schluckte schwer. Es war doch kein Traum gewesen. Etwas war los mit ihm. Hatte er dann wirklich mit den Psionikern gerade gesprochen? Waren sie wirklich böse? Sie haben sich nicht böse angehört. Sie haben sogar versucht nett zu ihm zu sein… War das alles nur ein Trick?
„Wie macht man so eine emotionale Barriere?“
„Es ist eigentlich ganz einfach. Man braucht nur eine starke Emotion zu fühlen. Diese Emotion füllt dann das ganze Bewusstsein. Wenn ein Dämonenkind also das nächste Mal dein Bewusstsein betritt, wird es nur die eine Emotion dort vorfinden. Alles was wir nun brauchen starke Emotionen.“
„Welche da wären?“
„Nun die stärkste Emotion ist natürlich die Liebe. Deine Mutter sagt mir, dass du gerade nicht verliebt bist?“ Isaac stimmte ihm zu. „Nun da wäre noch die Liebe zu dem großen Richter aber wie ich gehört habe bist du nicht einer der richtigen Gläubigen, ganz im Gegenteil zu deinen Eltern.“
„Herr Dokter, sie beschämen mich“, sagte Isaac’s Mutter mit falscher Bescheidenheit.
„Nicht doch, Frau Bäcker. Sie brauchen nicht so bescheiden sein. Aber nun zurück zur dir Isaac. Da wir Liebe nicht benutzen können, müssen wir die zweitstärkste Emotion nehmen: Hass.“
Isaac bekam ein komisches Gefühl, er wollte Hass nicht benutzen, es musste doch eine dritte Option geben. „Ich hasse aber niemanden“
„Nun“, sagte der Dokter todernst, „im Gegensatz zur Liebe können wir das ändern. Ich werde niemals dank von dir erwarten, aber vielleicht wirst du irgendwann sehen, dass es richtig war.“

Isaac musste dem Doktor eins lassen. Seine Methoden funktionierten. Er hasste ihn nun wirklich! Seit Stunden nun quälte er Isaac nur um, um es in seinen Worten zu sagen, genug Hass zu generieren. Das schlimmste bisher war die Peitsche. Prügel und Demütigungen konnte er ab. Er hatte sie sein ganzes Leben von seiner Familie erfahren, da er nicht genug an Lerx glaubte. Aber die Peitsche tat so verdammt weh. Es blutete überall auf seinen Rücken aber der Doktor hörte nicht auf. Er wollte einfach nicht aufhören. Jedes betteln ignorierte er und machte einfach weiter. Isaac war so in seinem Jammer versunken, dass er nicht merkte, dass die Peitsche nicht mehr auf seinen Rücken niedersauste.
„Isaac, es ist Zeit für das Abendgebet. Obwohl deine Zeit knapp ist, muss der große Richter doch geehrt werden.“
Der Junge lag nur auf den Boden und sah den Dokter an. Zur seiner Überraschung lächelte er.
„Ich sehe schon, wir sind bald fertig hier. Nach dem Gebet hole ich nur eine Sache und dann wir bringen diese Unannehmlichkeit zu Ende.“
Unannehmlichkeit? Er nannte dies eine Unannehmlichkeit? Nun dem würde Isaac es zeigen.

Nach dem Gebet verließ der Doktor den Raum um etwas zu holen. Isaac konnte nicht mehr und entschloss diesem Spuk ein Ende zu machen. Er nahm einen Stuhl und stellte sich neben die Tür. Als der Doktor wieder reinkam, schmetterte er den Stuhl, mit einer Kraft die er von sich selbst nicht erwartet hatte, über den Kopf des Doktors. Er fiel wie ein Stein zu Boden. Ein Moment sah er zufrieden den ohnmächtigen Mann an, bis er die Klinge sah. Isaac fröstelte es als er sich vorstellte, was er damit machen wollte. Schnelle Schritte brachten ihn zurück zu seiner momentanen Situation. Er musste hier weg. Wenn sie ihn schon so quälen, nur um ihn vor Psionikern zu retten, was würden seine Eltern anstellen wenn sie das hier sahen. Ein vollständiger Exorzismus? Ihm grauste es nur von dem Gedanken. Mit dem restlichen Stuhl zerschlug er das Fenster in dem Raum und kletterte raus. Zum Glück wohnten sie in der Nähe der Mauer wo die Häuser recht niedrig waren. Ohne zu zögern rannte er los. Hinter sich konnte er seine Mutter schreien hören „Es ist zu spät!“

Weiter rannte er durch die Festung. An Geschäften und Marktplätzen vorbei. Erst als er das Händlerviertel in der Mitte der Festung erreichte blieb er stehen, um Luft zu holen. Er wusste nicht wohin. Nach Hause konnte er nicht mehr. Auch konnte er sich in keiner Lerx-Gemeinde sehen lassen. Bald würden sie alle wissen, dass er von den Dämonenkinder übernommen wurde. Da fiel es ihm ein. Er hatte noch eine Option, an die er vorher noch nicht gedacht hatte. Er hatte Stimmen gehört. Er hatte Leuten zugehört, die er noch nie vorher getroffen hatte. Diese Leute hatten ihn irgendwann wahrgenommen und zu ihm gesprochen. Entweder war er nun endgültig verrückt oder es waren die Psioniker. Da Isaac erstmal genug von Ärzten hatte, entschied er sich die Psioniker aufzusuchen.

Geschrieben von Martin

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Der 10. Artikel – am 10.10.10

Dies hier heute ist unser 10. Artikel. Da der 10.10.10 vor der Tür stand, lag es nahe ihn heute zu posten. Ihr habt sicher einen weiteren Teil einer Geschichte erwartet, dieser folgt morgen.

Erstmal wollten wir uns bei allen bedanken, die unsere Seite besucht haben. Wir waren von den Besucherzahlen überrascht und gleichzeitig erfreut. Natürlich werden wir nicht aufhören, denn wir haben viel geplant.

Einen neuen Blog zu starten war interessant. Erstens hatten wir beide keine Ahnung was wir taten. Wir probierten Sachen aus und freuten uns, wenn sie funktionierten. Zweitens war das Schreiben und Erfinden einer Welt eine Erfahrung an sich. Immer noch finden Freunde Fehler und Ungereimtheiten, die wir irgendwie beseitigen müssen.

Letztdenendes möchten wir noch eine Bitte aussprechen. Obwohl wir schon einige Kommentare bekommen haben, würden wir uns über mehr freuen. Es muss nicht viel sein, ein „Ihr habt schon wieder was falsch geschrieben“ würde uns reichen.

Für alle die keinen WordPress-Account haben oder haben wollen: Ihr könnt uns auch eine E-Mail schicken. Die Adresse ist thrystalsfeste@web.de. Außerdem findet ihr sie im Impressum oder könnt gleich in der rechten Sidebar auf E-mail klicken.

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Sagarina, Martin und Penny

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Von Göttern und Menschen- Lorans Leid- Teil 2

Den letzten Teil nicht mehr in Erinnerung? Springe zu Teil 1

Loran kniete im Gras. Vor seinem geneigten Haupt stand die steinerne Statue einer Elfe mit einem hölzernen Korb in den Händen. Loran grüßte die Gottheit ehrfürchtig mit der für Elfen typischen, weichen Handbewegung, und dann, widerwillig, mit dem Kreis vor der Brust. Alarea, die Sammlerin, war die einzige Gottheit, der sowohl Menschen als auch Elfen huldigten. Dies war der Grund für die menschliche Geste Lorans und der Grund für die Ablehnung, welche viele dieser Gottheit gegenüber empfanden. Doch Loran störte sich nicht daran. Er betete sie ebenso an wie jeden anderen elfischen Gott.

Er war sich von klein auf bewusst, welch ein Geschenk das innere Hören war, und so hatte er recht früh damit begonnen, den Göttern regelmäßig hierfür zu danken, doch jetzt war er aus einem gegenteiligen Grund hier. Nach dem Gespräch mit seinem Bruder war ihm der Verlust der Gabe zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, ohne dass sich Loran vorgaukelte, es wäre Einbildung oder das Vorzeichen einer Krankheit. So hatte er beschlossen, jene Götter aufzusuchen, welchen er so lange für diese Gabe dankbar war. Jetzt, da er sich hier alleine auf der Lichtung fragte, was er sagen sollte, stockten seine Gedanken. Sollte er nicht dankbar sein? Anderen bleibt die Gabe auf ewig verwehrt. Wäre es nicht vermessen, nach etwas zu verlangen, was er schon so lange genießen durfte?

 Loran stand auf, schritt mit geneigtem Haupt näher an die Statue heran und kniete auf Armeslänge von ihr entfernt erneut nieder. Nun, so nah an der Statue, konnte er die runde Bodenplatte betrachten, auf deren Zentrum das Standbild seinen Platz hatte. Sie war zur Hälfte mit Bildern und Symbolen der elfischen Götter verziert, und ging dann mit dem verschnörkelten Symbol Alareas in den menschlichen Götterhimmel über. Nur wenige Elfen betrachteten diese Hälfte, doch Loran war mal wieder anders. Er wusste ungefähr wofür die Menschengötter standen und sie hatten sogar einen Gott, welchen Loran im elfischen Götterglauben vermisste. Er sah sich sein Symbol an: Ein Hammer, mit einem winzigen Rubin verziert. Als Lorans Blick an dem Rubin hängen blieb, befiel ihn ein leichtes Gefühl des Unmutes. Lix… oder Lax… oder wie sie ihn nannten… Loran nannte ihn einfach Gerechtigkeit.

War es gerecht, eine Gabe zu besitzen und sie dann zu verlieren? Wer war er, dass er sich anmaßte, die Entscheidungen der Götter anzuzweifeln? Er sah zu der Statue Alareas hinauf und fasste neuen Mut. Alarea hatte ihm diese Gabe gegönnt, und wenn es ihr Wille war, sie ihm wieder zu nehmen, dann soll es so sein…

„NA?!?“ Loran erschrak und fuhr herum. Neben ihm kniete ein alter Mann, und Loran hätte schwören können, dass er vor einem Moment noch nicht da gewesen war. Der Mann kicherte. „Hab ich dich wohl erschreckt, was, Bursche?“ Loran hob die Hand, um ihn zu grüßen, wie es Sitte war, doch der Mann hielt seine Hand mit überraschender Kraft fest und sprach weiter „Nein, nein, nicht dieses unnötige Gewurme, wir wollen ja nicht, dass man uns bemerkt, nicht wahr?“ Er blinzelte schelmisch „Oh ja, Großohr, sowas wie dich hatten wir lange nicht… lange, lange Zeit…“ Er murmelte in sich hinein, Loran glaubte die Worte „früher war alles besser“ zu vernehmen, und wollte ihn gerade fragen, was er meinte. Da sprang der Alte auf, nur um gleich wieder zuckend umzufallen.

 Als er sich erneut aufrichtete und sich den Staub von den Lumpen klopfte, die er trug, blickte er zu Loran herüber und fauchte: „Was guckst du denn so blöd, Wilder, hast du noch nie einen Menschen gesehen?“ und ging von dannen, als hätte Loran ihn beleidigt und grummelte dabei in sich hinein. Loran starrte ihm nur hinterher. Diese Menschen scheinen es auch nicht leicht zu haben…, dachte er bei sich. Wir nehmen Drogen… und sie werden verrückt… fehlen nur noch seefahrende Zwerge und die Festung kann sich gleich ergeben… Er schüttelte den Kopf, blickte noch einmal zum Standbild herauf, und fragte Alarea innerlich, was das zu bedeuten habe. Als keine Antwort erfolgte, wandte er sich, nicht ohne sie zu verabschieden, um und machte sich auf den Weg in den Wald.

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Willkommen in der Feste Teil 2 – Tamel, der Magier

Letzter Teil nicht mehr in Erinnerung? Springe zu Teil 1

Ein Rütteln brachte Tamel aus dem Land der Träume wieder zurück ins Diesseits. Jahrelanges Training sorgte dafür, dass der junge Magier sofort wach wurde. Schnell sprang er aus dem Bett und sah sich in der kleinen Einzimmerwohnung um, die ihm zugewiesen worden war. Sein Meister stand neben dem Bett.
„Endlich seid ihr wach. Kommt, es gibt Arbeit.“

Tamel suchte sich seine Robe und zog sie an,während er fragte: „Was für Arbeit?“
„Es gibt eine Anomalie in einer Bibliothek in der Nähe. Ich wurde beauftragt sie zu beseitigen und ihr werdet mir dabei helfen. Etwas Erfahrung wird euch gut tun.“ Damit verließ der Meister den Raum. Schnell hastete der ehemalige Schüler hinterher und holte ihn auf der Straße wieder ein.
„Magier Tamel, ich nehme mal an, dass…“
Ein widerwärtiger Gestank lösten in beiden Magiern ein Würgereiz aus. Als sie die Ecke umrundeten sahen sie den Ursprung des Geruches.

Eine Reihe von Orks marschierte langsam die Straße entlang. Die Kolonne war von mehreren Sklaventreibern umringt. Die Orks waren jeder an sich mehr als 2 Meter groß und verfügten über eine außergewöhnliche Kraft. Daher wurden diese dummen Bestien als Sklaven verwendet.

Tamel erschuf mit einem kleinen Zauber eine Blase aus Frischluft um seinen Kopf, damit diese Beleidigung seiner Sinne wenigstens seine Nase verschonen würde. Er beobachtete wie einzelne Sklaven von der Kolonne entfernt und an bestimmte Läden oder Manufakturen verteilt wurden. Tamel hatte noch nie in seinem Leben einen Ork gesehen, da die Akademie keinen Nutzen von Sklaven hatte. Er hoffte inständig, dass seine Begegnungen mit Orks sich in der Zukunft wieder auf Bücher beschränken würden. Er hatte gelesen, dass jeden Morgen die Sklaven verteilt und am Abend wieder eingesammelt wurden, da sie in der Feste nicht übernachten durften. Tamel fragte seinen Meister warum dies so war.
„Die Orks, wie ihr sicherlich wisst, sind sehr stark. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen doch nicht, dass die Orks uns alle nachts ermorden. Obwohl sie natürlich nützlich sind, sind sie denoch nur Tiere… Und das Handeln von Tieren ist unberechenbar.“

Tamel nickte. Es ergab Sinn, denn warum sollte man ein unnötiges Risiko eingehen? Es dauerte eine Weile, bis der Zug stinkender Leiber vorbei gezogen war. Die Straße war außerdem nun mit Fäkalien beschmutz. Es waren widerliche Kreaturen, aber ein nötiges Übel.

„Magier Tamel, ich nehme an, dass ihr mir sagen könnt was eine Anomalie ist?“, fragte sein Meister nun, nach der unangenehmen Unterbrechung.
„Eine Anomalie ist eine Verzerrung der geltenden physikalischen Gesetze, welches durch die dämonische Energie verursacht wird. Da die Energie der Dämonen chaotischer Natur ist, ist die Manifestation der Anomalie ebenso zufällig.“, sagte Tamel sofort auf.  Sein Meister nickte in Anerkennung. „Wie würde man nun eine solche Verzerrung beheben?“
„Es gibt ein relativ einfachen auf Logik basierender Zauberspruch, welches die Naturgesetze wiederherstellt. Je schwerwiegender aber die Anomalie ist, umso mächtiger muss der Zauberer sein, um sie zu beheben.“
„Wie immer sehr gut, Tamel. Wir werden sehen ob diese Anomalie in eurem Stärkebereich liegt.“

Sie erreichten eine Bibliothek und betraten diese. Im Foyer fanden sie die aufgebrachten Mitarbeiter. Keiner von ihnen konnte eine genauere Beschreibung liefern als: Es ist falsch.

Resigniert betraten die Magier nun die eigentliche Bibliothek und Tamels Welt stellte sich auf den Kopf. Nein, nicht die Welt, sondern nur die Bibliothek stand auf dem Kopf. Alle Regale, Tisch und Leitern waren an der Decke befestigt. Selbst die beiden Magier waren wie an der Decke geklebt. Unter Tamel standen die Kronleuchter vom Boden ab. Tamel hatte Angst einen Fuß zu heben. Sein Meister hingegen schien diese Angst nicht zu Teilen. Er marschierte etwas durch den Raum und sah sich um.
„Interessant. Nun Tamel, wollt ihr nicht diese Unannehmlichkeiten für die armen Leute beenden?“
Tamel nickte, es war seine Aufgabe allen in der Feste zu dienen. So schloss er die Augen und sprach den Zauberspruch. Ein drehendes Gefühl trat ein. Statt jetzt kopfüber von der Decke zu hängen, fühlte es sich an als würde er an irgendeiner Steilwand hängen. Er öffnete die Augen und sah, dass er den Raum in der Tat gedreht hatte, aber nur um 90 Grad. Amüsiert lächelte sein Meister ihn an.
„Fast, aber ein bisschen musst du noch.“

Wieder schloss Tamel die Augen und sprach den Zauber. Diesmal aber drehte sich der Raum nicht. Hingegen fing Tamel an zu fallen. Erschrocken öffnete er die Augen, um festzustellen, dass er die normale Schwerkraft wiederhergestellt hat. Regale und Bücher stürzten von oben auf ihn ein. Irgendwie empfand Tamel Scham, bei seiner ersten Aufgabe gestorben. Was würde sein Meister nur von ihm denken. Wahrscheinlich nicht mehr viel, da er sich auch im Raum befunden hat. All diese Gedanken schossen ihm in einem Sekundenbruchteil durch den Kopf. Einen weiteren Sekundenbruchteil später bildete sich ein magisches Schild um Tamel. Die nächsten Augenblicke waren unübersichtlich. Er schlug hart, trotz des Schildes auf, während alles Mögliche von ihm abprallte. Erst als sich nichts mehr rührte benutze er etwas von seiner Macht um sich auszugraben. Sein Meister stand ohne einen Kratzer oder den Anschein einer Falte in der Robe auf einem Regal in der Nähe. Wie hatte er das bloß geschafft?
„Danke Meister, dass ihr mich gerettet habt“
„Wir wollen doch nicht, dass ihr an eurer ersten Aufgabe scheitert. Wollte ihr noch ein letztes Mal versuchen oder soll ich das Problem lösen?“
„Nein, ich schaffe das.“ Der Meister nickte einmal. Tamel fing wieder einmal an die Formel zu rezitieren. Um seinem Zauber diesmal mehr Macht zu verleihen, fügte er außerdem mehrere magische Gesten hinzu. Am Ende gab es wieder eine Drehbewegung. Gespannt öffnete Tamel die Augen. Der Raum war so wie er sein sollte, abgesehen von der Innenausstattung, welche an einem Ende des Raumes auf einem Haufen lag.

Trotz Tamels kleinen Missgeschicks waren die Besitzer der Bibliothek froh, dass der Raum wieder richtigrum war. Sie versicherten Tamel, dass sie den Raum alleine wieder herrichten konnten, als Tamel sich anbot, ihnen dabei zu helfen.

Vor der Bibliothek sprach sein Meister mit ihm „Magier Tamel, ich nehme an, dass ihr etwas hieraus gelernt habt?“ Ein Nicken beantwortete seine Frage. „Sehr gut, dann lasst uns nicht mehr über das kleine Missgeschick reden. Nun da die Arbeit beendet wurde, kann das Vergnügen beginnen. Ich habe euch doch eine Tour versprochen, die wir gestern nicht beenden konnten. Auf geht’s, es gibt noch viel zu sehen.“

Geschrieben von Martin

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Von Zwergen und Piraten- Borimir- Teil 1- Talk like a pirate day- special

Die Vorgeschichte fehlt? Lies die Sagarinas Geschichte durch.

Zu Ehren des International Talk Like a pirate day kommt hier eine kleine Zusatzgeschichte

Borimir starrte auf die Tür, durch die gerade seine Gönnerin entschwunden war. Er untersuchte die Kristalle und Münzen in seiner Hand… sie waren eindeutig echt. Er wusste nicht, was er davon halten sollte… Ein Mensch, der mit Kristallen bezahlt… Neben den Zwergen würde doch höchstens ein Juwelier oder ein Minenarbeiter genau wissen, was sie wert sind, ist das nicht der wichtigste Grund, weshalb die Menschen nicht mit Kristallen handelten? Zwerge riechen den Wert… aber Menschen… Egal… Geld ist Geld. Er wandte sich um und öffnete die metallene Wertgegenstände- Sicherungs- Apparatur mit seinem Schlüssel, um die Münzen in die jeweiligen Fächer, und die Kristalle in ein weiteres zu räumen. Als er fast fertig war, blieb sein Blick an einer ihm unbekannten Münze hängen. Sie war oval, silbern, doch zu leicht, um Silber zu sein. Borimir musste an seinen Bruder, Iromir, denken. Er hätte ihm sicher sofort sagen können, woraus sie war. Aber er war vermutlich gerade in einem der vielen Stollen unter der Festungsstadt und schnupperte den Duft der Tiefen. So musste sich Borimir auf seinen Instinkt verlassen. Er betrachtete die Münze genauer, und erkannte, dass ein geflügeltes „S“ längs des Ovals geprägt war. Er hatte noch nie von einer solchen Münze gehört, aber der Tag war jung, und die ersten Kunden sollten langsam kommen. Also beschloss er, das Geheimnis der Münze ruhen zu lassen. Er hatte sie schon fast in die Wertgegenstände- Sicherungs- Apparatur gelegt, als sein Gefühl ihm sagte, dass diese Münze das wertvollste von dem war, was die Frau ihm gegeben hatte. Er schloss die Apparatur und hob seinen Bart an. Darunter, an einer filigranen Kette, hing eine Miniatur der Wertgegenstände- Sicherungs- Apparatur vor ihm, nur dass diese ein Zahlenschloss hatte. Borimir öffnete sie, darin befand sich nichts außer ein paar Dingenpersönlichen Wertes, und er schloss die Münze ihn ihr ein.

Nicht weit von der Schenke entfernt:

„Der Borimir, aie? Der Käptn vonner Spielunke da drüben auf Steuerbord, ja ihr Landratten, genau der! Der kiekte wie son Bullauge auf die Tür. Da is‘ nämlich ne Braut raus, und die schmiss ihm ne ganze Ladung Dublonen hin, oh ja, einen ganzen Sack, aie! Jedenfalls- Wo ist mein Grog… ah, da isser ja… Also der Kosar starrt auf seine Beute, und vergräbt sie, bevor die anderen meutern und ihn der Beute wegen Kielholen, aie, ich sag euch… Traue keinem Freibeuter, vor allem nich, wenn du ihr Käptn bist! Oh ja, glaubt dem alten Piraten. Was? S‘ Gibt in dieser G’schichte keine Piraten? Wo Grog is, da sinn doch immer Piraten! Isch bin ein Pi- *hick*! Isch bin ein Pi- *hick*! Isch bin ein Pira- *hick*! Isch schdehle Schachen, unn bin verdammich gut dabei…“

Dieses Schauspiel eines betrunkenen, mit Augenklappe und Holzbein ausgestatteten Mannes bot sich einer kleinen Menge von Obdachlosen in einer kleinen Seitengasse, und es ging so lange weiter, bis zwei unauffällig gekleidete Zauberer die Gasse betraten. Sie murmelten, einige Obdachlose liefen schreiend Weg, doch die anderen konnten das Finale miterleben:

„Arr! Isch bin ein Pirat! Lebend kriegt ihr mich nie! Meine Beute, meinen Grog und mein Schi-“

Und die Anomalie verpuffte in einer Logik-Wolke

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Das Leben in einer Gemeinschaft – Isaac Teil 1

„Die Zeit wird kommen, in der wir alle vor dem großen Richter stehen werden und ER sein Urteil über uns fällen wird. Jene, welche ein sündhaftes Leben führten sollen dann seine Rache spüren. Die Sündhaften wird ER an die Dämonen verfüttern! Doch jene mit einem reinen Herzen werden in den Himmel auffahren und das ewige Leben geschenkt bekommen.“, Der Priester predigte weiter. Er stand im vorderen Teil des Tempels, war gekleidet in eine schwarze Tracht und schwang aufgeregt einen kleinen Kriegshammer in seiner Hand hin und her. Isaac hoffte, dass er bald aufhören würde. Er wünschte, dass er endlich etwas Ruhe finden könnte. Aber am meisten hoffte er, dass er etwas gegen diese verdammt starken Kopfschmerzen finden würde. Die hallende Stimme des Priesters hämmerte weiter auf seinen Schädel ein, was seine ohnehin schlechte Laune nicht gerade besserte. Er hasste es, mit seinen Eltern in den Tempel des großen Richters zu gehen. Der Glaube, offiziell als Lerxismus bekannt, war sehr streng mit seinen Gläubigen. Er verlangte absoluten Gehorsam und Gesetzestreue. Jeder der ein Gesetz brach, wurde verurteilt und auf irgend eine Weise bestraft. Die momentan beliebteste Strafe war die Verfütterung der Seele an die Dämonen. Es änderte sich ständig und je nach Laune der Priester, aber Dämonen kamen darin recht häufig vor. „Um eure Seele zu retten, müsst ihr euch dem großen Richter hingeben. Er wird derjenige sein, der euch am Ende beurteilt. Deshalb verschwendet nicht eure Mühen die anderen Götter zu befriedigen sondern widmet euch dem großen Richter, Lerx!“ Was würde er nur dafür geben in einem anderen Tempel sitzen zu dürfen. Am liebsten würde er in einem Tempel des Kreises sitzen, wo alle zwanzig Götter gleichwertig verehrt wurden. Aber Issac wusste es besser. Diesen Gedanken hatte er einmal gegenüber seinen Eltern erwähnt. Immer noch spukten in ihm die Alpträume von der Tracht Prügel, die er dafür erhalten hatte. „Doch bevor ihr nun geht um die Gerechtigkeit zu leben, hört mich an, denn ich muss euch warnen!“ Oh je, jetzt fängt das schon wieder an. „Nehmt euch in acht vor den Dämonenkindern. Sie sind die hinterhältigsten Kreaturen überhaupt. Ein Dämon an sich ist nichts dagegen. Einen Dämonen kann man klar erkennen.“ Klar, ein Dämon versucht auch sofort deinen Kopf abzureißen oder zu -beißen „Ihre Kinder jedoch nicht. Sie sehen aus wie ihr und ich, beherbergen aber dämonische Kräfte. Sie werden versuchen eure Gedanken zu lesen und sie zu stehlen. Wenn sie können, werden sie sogar versuchen, eure Persönlichkeit zu vernichten und euch zu versklaven. So wollen sie die Feste von Innen niederreißen, damit sie mit ihren verfluchten Eltern wiedervereint werden können. Aber wenn sie es wagen sollten auch nur ein Seitenblick auf unsere Gedanken zu werfen, was werden sie finden?“

„DEN GEDANKEN DER GERECHTIGKEIT!“ Isaac stöhnte innerlich auf, als der ganze Tempel schrie. Zum Glück würde es gleich vorbei sein. Aber etwas leiden musste er noch.

„Was ist eure höchste Aufgabe in dieser gesetzlosen Welt?“
„DIE ERHALTUNG DER GERECHTIGKEIT!“
„Wen werdet ihr über alles in der Welt ehren?“
„DEN GOTT DER GERECHTIGKEIT!“
„Nun geht und verbreitet die Gerechtigkeit, meine Brüder und Schwestern.“ Bänke schabten über den Boden und das allgegenwärtige Gemurmel von Gesprächen kam auf. Isaac war froh, dass der Priester endlich aufgehört hatte zu reden. Gemeinsam mit seinen Eltern verließ er den Tempel. Direkt neben dem Ausgang befand sich jeweils eine Statue von Lerx. Er war ein Mensch mit einem Eulenkopf und hielt einen riesigen Hammer in der rechten Hand, mit dem er gerade ausholte. Das schlimmste waren die Augen des Gottesbildes. Die Augen funkelten mit roten Rubinen. Jeder der die Statue ansah, hatte sofort ein Schuldgefühl. Beim rausgehen sahen viele Leute demonstrativ in die Augen der Statuen. Sie wollten ihrem Gott unbedingt beweisen, dass sie absolut keine Schuld hatten. Die meisten dieser Menschen sahen beschämt wieder Weg. Nur die Wenigsten hielten einen langen Blickkontakt. Isaacs Eltern gehörten dazu.

Vor dem Temple traf sich Isaacs ganze Familie. Großeltern, Tanten und Onkel. Alle gingen nun zu Isaacs Großeltern um dort bei Kaffee und Kuchen über alles Mögliche zu diskutieren. Die Predigt des Priesters, die Gefahr der Psioniker oder Dämonenkinder, wie sie die Lerxianer nannten… oder sie redeten über Isaac. Er war das schwarze Schaf der Familie. Der einzige der Lerx nicht voll und ganz anbetete. Entweder sie redeten über ihn, als ob er nicht da wäre oder sie zwangen ihn seine ganze Woche nachzuerzählen, um festzustellen welche Gesetze er gebrochen hatte. Einmal hatte ein Onkel es gewagt anzudeuten, dass Isaac vielleicht ein Psioniker sein könnte. Der Rest der Familie war so beleidigt, dass er erst stundenlang beschimpft, danach wochenlang ignoriert wurde. Selbst diese kleine schöne Erinnerung konnte Isaacs Stimmung nicht heben. Sein Kopf dröhnte. Es hörte sich an, als ob die ganze Feste sich in seinem Kopf befand und schrie. Am liebsten würde er einen Heiler aufsuchen, aber seine Eltern würden niemals zustimmen. Sie würden glauben, er wolle sich drücken. Die Stimmen seiner Verwandten echoten in seinem Schädel wieder. Die Schmerzen stiegen und seine Sicht verschwamm. Eine Dunkelheit umschloss ihn und Isaac hieß sie willkommen. Sie würde dafür sorgen, dass er wenigstens ein wenig Ruhe hatte. Isaac fühlte nicht einmal, wie er den Boden traf. Die Welt um ihn herum wurde still-

Doch die Stimmen in seinem Kopf verstummten nicht.

 

Hier ist Teil 2

Geschrieben von Martin

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Sagarinas erster Auftritt- Teil 2

Letzten Teil nicht mehr in Erinnerung? Springe zu Teil 1

Sagarinas Kopf schien bersten zu wollen. Sie ließ ihn einen weiteren Moment auf dem Holztisch ruhen um sich klar zu werden, wie er dort hin kam. Sie hatte mit einem Vagabunden geredet, soviel war klar. Doch diesmal war es anders gelaufen als sonst. Sie erinnerte sich an ein paar Augen, die so blau und unergründlich waren wie das still liegende Meer. Doch da war noch etwas… Langsam sickerte die Erinnerung an die Geschehnisse der letzten Nacht in Sagarinas schmerzendes Haupt. Als ihr die „Vision“, oder was es war, einfiel, wurde sie schlagartig wach. Sie schreckte hoch – und spürte, wie ihr Schädel bei dieser schnellen Bewegungen schmerzend protestierte. Während sie, diesmal langsamer, Anstalten machte aufzustehen verarbeitete ihr Verstand die Informationen. Die Welt war am Fortschritt der Völker zu Grunde gegangen! Kein Wunder, dass es verboten war es zu wissen. Die inneren Konflikte der Festung schwelten von jeher schon stark genug. Sagarina schreckte aus ihren Gedanken, als sie die raue Stimme eines Mannes hinter sich vernahm„Na, seid ihr endlich von den Toten zurück gekehrt?“ Irritiert sah sie sich um, und sah den Wirt hinter der Theke stehen wie er gerade einen Humpen auswischte, sie gutmütig anstrahlend. Er war ein kleiner stämmiger Mann, der eine Bank hinter die Theke gestellt hatte um über sie hinweg sehen zu können. Dem Hammer an seiner Seite und dem üppigen Bart in seinem Gesicht nach zu urteilen, handelte es sich eindeutig um einen Zwerg. Als Sagarina merkte, dass sie mit seinen Worten gemeint war, besser, was damit gemeint war, schoss ihr die warme Röte ins Gesicht. Sie richtete sich rasch von ihrem Sitzplatz auf und stammelte los: „Es… Ähm…“ Ruhig, Sagarina, denk nach bevor du sprichst! „Es ist nicht das… nicht das, wonach es vermutlich aussieht… es ist..“ Das nervöse Gestammel war nicht sehr überzeugend. Sagarina wusste das. Der Zwerg war offensichtlich der gleichen Meinung. Ein mitleidiger Ausdruck stahl sich auf sein Gesicht und er antwortete mit seiner tiefen Stimme: „Sorgt euch nicht. Euer Geheimnis ist bei mir sicher. Ich verstehe euch. Ich kann jeden gut verstehen, der sich in Zeiten wie diesen dem Grog zuwendet. Er bietet zumindest ein wenig Trost in Zeiten wie diesen. Die Zauberer gewinnen immer mehr an Arroganz; die Wilden leiden unter der Droge und die jüngeren meines Volkes…“, er seufzte und tätschelte Trost suchend seinen Hammer. „…sie verstehen nicht, wie glücklich sie sein sollten. Sie schlagen sich um lächerliche Patente und schlimmern das Leid der Wilden. Wenige von uns überleben das Leben in der Erfinderzone lange genug unbeschadet, um zur Einsicht zu kommen.“ Sagarina folgte seinen Worten und nickte beifällig zu der Weisheit des Zwerges. Da fiel ihr auf, wie er zu seiner Rede gekommen war. Ein trotziger Ausdruck schlich in ihr Gesicht und sie sagte vielleicht ein wenig zu laut: „Ich habe mich nicht besoffen! Es… „ Sie zögerte – „Es lag an dem Kerl, mit dem ich gestern Abend sprach.“- Ohne dass Sagarina verstand, weshalb, brach der Zwerg in schallendes Gelächter aus. Sagarinas Kopf begann ob des Lärmes wieder zu schmerzen, und ihre Hand wanderte unwillkürlich an ihre Schläfe. Der Zwerg, immernoch grinsend, sprach weiter zu ihr. Jetzt mit sarkastischem Ton in der Stimme: „Ihr habt nicht getrunken, und euer Schädel scheint bei jedem Geräusch zu platzen. Ihr habt mit einem Mann geredet, nur dass dort den ganzen Abend niemand bei euch am Tisch saß. Verkauft mich nicht für dumm, bestimmt hat er auch die sechs Humpen Grog getrunken, nicht wahr? Als nächstes sagt ihr mir noch, ihr wäret von der Regierung!“ Sagarina fehlten die Worte. Er war doch da gewesen… Perplex murmelte sie „Aber ich bin doch von der Regierung…“ und erntete dafür ein weiteres Glucksen des Zwerges. Sie sah ein: Es hatte keinen Sinn. So zog sie einen kleinen, ledernen Beutel aus ihrem Mantel und legte ihn mit den Worten „Das sollte reichen, ich danke euch für die Unterkunft“ auf dem Tresen ab. Sie wandte sich zum Gehen, und war schon fast aus der Tür, als der Zwerg sie zurückrief: „Wartet!“ Sagarina blieb stehen und ahnte, was der Grund war. Der Zwerg bestätigte ihre Vermutung, indem er mit heiserer Stimme etwas zu ihrem Rücken sagte: Ist das… ist das euer Ernst? Das ist mehr, als mein Lokal in Wochen einbringt. Ihr könnt unmöglich von einem ehrlichen Zwerg verlangen, dies anzunehmen.“ Sagarina lächelte, und wandte sich um. „Nehmt es, ihr seid ein guter Kerl. Die Meisten hätten mich Nachts vor die Tür gesetzt. Und  euch ist doch sicher klar, dass ich nie hier war.“

Noch bevor der Zwerg etwas erwiedern konnte, war sie zur Tür hinaus und in der Menge verschwunden.

Was treibt der Zwerg? Springe zu Borimirs Geschichte

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Vom Sprechen und Zuhören- Lorans Leid, Teil 1

Loran erwachte, und wie jeden Morgen bäumte sich sein Innerstes gegen das auf, was er sah. Was für die Menschen ein prachtvolles Bauwerk war, war für Loran nichts anderes als ein Gefängnis. Sein Volk war nicht dazu geboren, in Häusern zu leben. Die „Wilden“, wie die Zwerge die Elfen nannten, waren ein Volk der Natur. Ein Volk, das nur dann wirklich schlafen konnte, wenn die Seelen der Bäume es in den Schlaf sangen, und das nur wirklich lebte, wenn die Stimmen der Tiere in ihren Köpfen hallten. Loran blickte auf den kleinen Tisch neben seinem Bett. Darauf befand sich eine Flasche, die das grausame Schicksal des freien Volkes jeden Tag aufs neue begleitete. Es handelte sich um eine Art Droge, die es den Elfen ermöglichte, zu schlafen, wo sie sich auch befanden. Nicht wenige hatten versucht, sich zu wehren. Manche setzten die Einnahme des Trankes ab… sie wurden verrückt von der Schlaflosigkeit. Andere flohen aus der Stadt. Von denen, die nicht rechtzeitig zur Besinnung kamen hörte man nie wieder. Loran hatte schon früh verstanden, dass es nichts nutzte, sich zu sträuben, und so fügte er sich seinem Schicksal, und Maß die Dosis für den nächsten Abend ab. Nachdem er die verhasste Tinktur wieder zurück gestellt hatte, öffnete Loran kurzerhand das Fenster und sprang behände hinaus. Dass er sich im ersten Stock befunden hatte, störte ihn hierbei nicht weiter. Sein schlanker, hochgewachsener Körper war stärker und beweglicher, als es dem eines Menschen möglich wäre, und so rollte sich Loran im weichen Gras ab, erleichtert, dem Kasten hinter sich entkommen zu sein. Was er nun sah, besänftigte seine Laune zum Teil. Die einflussreicheren Elfen hatten sich einst bei der Gründung zusammengetan, und sich in einem leer stehenden Viertel der Stadt ein kleines  Paradies erschaffen: den Elfenhain. Beim Elfenhain handelte es sich um einen kleinen Wald, durch den ein Fluss im Kreise fließt, welcher nur durch die Magie vieler Zauberer nicht austrocknete oder aufhörte, zu fließen. Früher lebten die wenigen reichen Elfen dort unter freiem Himmel, oder besser im Schutz der Bäume. Heute verhielt es sich so, dass die meisten Elfen in der Nähe des Elfenhaines eine Hütte hatten, sodass jedem die Möglichkeit gegeben war, sich im Hain aufzuhalten, ohne dass dieser Nachts überfüllt war. Loran schritt hinab zum Fluss und wusch sich, als sich das Gemurmel in seinem Kopf wieder regte. Es klang, als flüsterten die Bäume ihm etwas zu, wie sie es schon taten, seit er ein Kind war. Dieses Mal verstand er jedoch nicht, was gesagt wurde. Das war neu, und Loran hoffte, dass es keine Nebenwirkung der Droge war. Nur wenige Elfen waren noch in der Lage, mit den Geistern zu sprechen. Was früher das gesamte freie Volk meisterhaft beherrschte, ging nun immer mehr verloren, und wie die meisten Elfen war Loran der Meinung, dies komme von der Droge. Während nur noch die Hälfte aller Kinder in der Lage war, die Stimmen der Natur zu hören, so verstand von diesen kaum eines, was die Natur sagte, und die Worte blieben auf ewig ein Rauschen in ihren Köpfen. Mit dem Übergang in das Erwachsensein nahmen diese Fähigkeiten weiter drastisch ab, und so kannte Loran keine zwei erwachsene Elfen mit der Gabe.

Mit diesen Gedanken beschäftigt, merkte Loran nicht, wie sich sein Bruder, Mernon, näherte, und Loran erschrak, als Mernons sanfte Stimme hinter ihm ertönte: „Tot“- Es war ein Spiel zwischen den beiden, seit sie mit neun Jahren das Schleichen erlernt hatten. Nicht jenes lärmende Humpeln, welches Menschen als Schleichen zu bezeichnen gewohnt waren. Leiser als das konnte sich ohnehin jeder Elf bewegen, solange er nur zwei Beine hatte. Was die beiden Brüder gelernt hatten war, die Seelen der Natur anzusprechen, und sie um Tarnung zu bitten. Dies hatte zum einen den Vorteil, dass Blätter und Zweige- die meisten waren so nett- sich alle erdenkliche Mühe gaben, nicht unter den Füßen zu knacken oder zu Knirschen, und zum anderen schwiegen die meisten Seelen der Natur sich, wenn sie nur recht gebeten wurden, vor anderen Elfen aus. Wollte sich nun also Mernon an Loran heran schleichen, bat er alle ihn umgebenden Dinge, es Loran nicht zu verraten. Die Brüder waren stolz auf diese Fähigkeit. Denn ebenso wie das Zuhören war auch das Sprechen mit der Natur nahezu unmöglich geworden. Loran fuhr Mernon an: „Lass das! Ich habe keine Zeit für diese Spielchen!“ „Na na, wer wird sich denn so aufregen, nur weil er verloren hat, Bruder“ erwiederte Mernon mit einem Grinsen. „Nächstes Mal erwischt du mich wieder, versprochen.“ Er zwinkerte, und ging neben Loran ans Wasser, um sich das Gesicht zu waschen. Loran schaute betreten drein. Er merkte, wie Wut in  ihm aufkam, aber ebenso schnell wieder verebbte. Er kann nichts dafür.  Loran setzte mehrere Male zum sprechen an, bevor er die richtigen Worte fand: „Mernon… hör mal… ich… Wir haben doch letztens über unsere Gabe gesprochen.“ „Ja, und?“, erwiederte Mernon, verwirrt über den Ernst in Lorans Stimme. „Die Sache ist die… ich… ich kann die Bäume nicht mehr verstehen. Es ist ein immer lauter werdendes Rauschen in meinem Kopf, und ich habe Angst, die Gabe zu verlieren!“ Mernons Gesichtsausdruck sagte mehr über seine Gefühle ob der Offenbarung aus, als die Worte, die er sprach, während er Loran in den Arm nahm. Loran nahm diese nicht mehr wahr. Er hatte diese Last schon seit Wochen mit sich getragen, und nun, da er sie ausgesprochen hatte, erlangte sie eine derartige Realität, dass Loran sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Heftig zitternd stützte er sich auf seinen Bruder, der seinerseits mit zittriger Stimme Worte des Trostes über ihn herabregnen ließ und ihm jene Liebe gab, die nur ein Bruder geben konnte.-

Doch sein inneres Ohr, und noch schlimmer seine Stimme, konnte er ihm nicht zurück geben.

Geschrieben von: Sagarina

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