Schlimmer als ein Zwerg- Sagarinas Geschichte Teil 6

Sagarina verließ die große Halle. In der Hand hielt sie eine unweigerlich wertvolle hölzerne Kette, in die ein Diamant eingelassen war. Eine Kette des hohen Rates. Diese Kette gab Sagarina nahezu unbegrenzte Befehlsgewalt innerhalb der Feste. Im Eilschritt lief Sagarina zu einem Raum nur wenige Meter vom Halleneingang entfernt. Nachdem sie dem Wachmann wortlos das Amulett gezeigt hatte, ließ dieser sie passieren. Sie fand sich in einem kleinen, verrauchten Raum wieder, in dem lediglich ein ein Stuhl und ein Tisch mit einer seltsamen, röhrenartigen Vorrichtung darauf standen. Auf dem Stuhl, die Beine auf dem Tisch, eine Pfeife im Mundwinkel hängend schlief ein Magier in einer gelben Robe. Sagarina räusperte sich vernehmlich, wodurch der Magier erwachte und vor Schreck seine Pfeife fallen ließ. Fluchend stand er auf und hob sie wieder auf. Erst danach beachtete er Sagarina mit einem grimmigen Blick, der aus einem Wust aus Haaren in seinem Gesicht heraustblitzte. Er begann zu sprechen, und Sagarina musste sich kontrollieren, ob dieser piepsigen Stimme nicht zu grinsen: „Ist die Versammlung denn schon vorbei? Immer das selbe in diesem Job… ich darf hier nicht raus und kann nicht mal in ruhe ein Pfeifchen rauchen“ So in sich hineinzeternd wandte er sich zum Regal hinter ihm. In dem Regal befanden sich verschiedene Kugeln aus einem merkwürdig sarnifarbenden Material. Sagarina wusste nicht, wozu sie gut waren, sie war schließlich noch nie hier… Doch das Übermaß an Sarni überforderte ihre Augen. Sarni war eine Farbe, die es im allgemeinen Leben nur selten gab. Die meisten komplizierteren magischen Gerätschaften funkelten sarnifarbend, sodass normale Bürger diese Farbe nur an einem Ort zu Gesicht bekamen: wenn sie sich die Brücke zwischen dem Hauptgebäude und dem Magierturm ansahen. Sagarina hatte davon gehört, dass manche Leute farbenblind dieser Farbe gegenüber waren. Sie sahen statt dessen ein in allen Regenbogenfarben schillerndes Material. Sagarina dachte lieber nicht allzu genau darüber nach… Die Gelbrobe vor ihr schien das auch nicht zu tun. Erlesene Flüche vor sich hinmurmelnd ergriff er zielstrebig eine dieser Kugeln und setzte sich an den Tisch. „Was soll ich schreiben?“ Er nahm eine Art Meißel in die Hand. Sagarina dachte kurz nach und begann: „Es gibt einen Notfall und der Saal soll von Wachen umste…“ „Wartet!“ Der Magier hatte aufgesehen. „Die Nachricht ist nicht dür das Archiv?“ „Nein, für die Kaserne, warum?“ Der Magier fluchte nun noch inniger. Und ging erneut zum Regal. „Weil diese Kugeln vermaledeit  schwer zu bekommen sind, was meint ihr was die Zwerge für das Material verlangen? Ihr habt eine verschwendet! Und das schlimmste ist, dass ich die Kanone umjustieren muss“ Er steigerte sich immer mehr in seinem Unmut, wodurch seine Stimme immer höher, piepsiger und zu Sagarinas Leidwesen auch lächerlicher wurde. Nur mit Mühe unterdrückte sie ein Glucksen, oder den Impuls zu fragen von welcher Kanone er rede. Sie sah sich um, und begriff, dass er das zylinderartige Ding auf dem Tisch meinen musste. Mit einer neuen,  größeren Kugel in der Hand machte sich der Magier an der Apparatur zu schaffen. Sagarina wagte zu fragen „Und… und was ist an dieser Kugel jetzt besser?“ Hierfür erntete sie einen Blick, der hätte töten können. Er knirschte mit bedrohlicher Piepsstimme „Größe… Gewicht… Flugbahn“ , bevor er weiter an dem Gerät herumschraubte. Sagarina verkniff sich die nächste Frage und wartete, bis der Magier endlich fertig war. Nach endlosem Nachmessen mit einem Winkelmesser schien er mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Er setzte sich, nahm den Meißel erneut zur Hand und zerkratzte die Kugel mit grober Schrift. „Noch irgendwas nach Saal umstellen?“ Auf Sagarinas Kopfschütteln hin legte er die Kugel in den Lauf der „Kanone“, die merkwürdig zu tickern begann. Der Magier machte ein bedeutungsschweres Gesicht, holte seinen Zauberstab heraus und begann einen Zauberspruch aufzubeten, während er Eindrucksheischend mit dem Stab durch die Luft fuchtelte. Nach ein paar Silben hielt er inne und fluchte, wie er es scheinbar gerne tat… schlimmer als ein Zwerg… Der Mann stürzte sich auf die Kanone, murmelte hastig etwas und riss die Kugel aus dem Lauf. Die Maschine dröhnte. Der Lauf rotierte einmal, um sich danach wie ein Messer, das gegen eine Wand geworfen wurde, zitternd stehen zu bleiben. „Bei allen Göttern so war das doch nicht gemeint du elendes Gerät!“ schrie der Magier die Kanone fast an und begann, Ihr könnt es euch sicher denken, genau, zu fluchen. Sagarina, inzwischen leicht nervös, rief ihn zur Ruhe und fragte: „Was hat das jetzt zu bedeuten, ist die Maschine kaputt? Diese Nachricht ist wichtig!“ Der Magier sammelte sich und blickte schuldbewusst drein, bevor er sprach. „Jaja ich weiß, nein sie ist nicht kaputt, ich werde sie nur neu ausrichten müssen. Ich habe nur… ach vergesst es“ Er begann erneut, den Lauf zu justieren. Sagarina sprach, bevor sie dachte: „Passieren Euch solche… Fehler… geschehen die häufiger?“ Jetzt schien es dem Kerl langsam zu reichen. „Bitte, ihr könnt es gerne selbst versuchen! Ratet mal, weshalb ich seit Jahrzehnten eine gelbe Robe trage und hier den ganzen Tag den Dienstboten mime, statt mit roter Kriegsrobe an der Front zu stehen? “ Er knallte die Kugel in den Lauf und maß noch einmal den Winkel. Erneut begann er einen spruch aufzusagen, und dies mal schien es zu funktionieren. Die Kugel wurde transparent und begann zu leuchten. Erst schwach, dann immer stärker, bis der ganze Raum im gleißenden Sonnenstein zu stehen schien der verzerrte Schatten an die Wand warf. Sagarina wollte ihren Blick gerande von der Lichtquelle abwenden, als die Kugel den Lauf entlangschnellte und gegen die Wand flog. Mit einem Schlag war es dunkel. Sie starrte an die Wand. Die Kugel schien einfach verschwunden zu sein. Durch die Wand… aber… „Würdet ihr jetzt bitte gehen oder habt ihr noch mehr Nachrichten?“ Der Magier saß wieder auf seinem Stuhl und paffte grimmig an seiner Pfeife. „Nein, ich gehe ja schon. Habt dank für…“ „Jaja gern geschehen, lebt wohl.“ Sagarina erwiederte den Abschied und verließ den Raum hastig. Vor der Tür atmete sie erst einmal tief durch. Die stickige Luft und die schlechte Laune des Kerls fielen von ihr ab. Die Wache neben ihr blickte sie fragend an und meinte mit mitleidigem Lächeln „Wies klingt hat der gute Karnok heute wieder besonders gute Laune, nehmt es euch nicht zu Herzen, er hat einen guten Kern.“ Sagarina schnaubte „Na den muss er aber gut versteckt halten… Doch habt Dank für die Worte.“ Sie wollte sich zum Gehen wenden, da sprach die Wache erneut: „Ihr müsst bedenken, dass die Gelbroben ihren Beruf nur ausüben, weil ihre Magierausbildung zu weit fortgeschritten war, um ihnen andere Berufe zukommen zu lassen, bevor man ihre…“ Er senkte die Stimme „… Unfähigkeit bemerkte. Doch verzeiht, ihr habt sicher wichtigeres zu tun als mit einer gelangweilten Wache zu parlieren.“ Sagarina war überrascht.. er hatte parlieren gesagt… eine höfische Ausdrucksweise die kaum ein normaler Soldat nutzen würde. Doch er hatte Recht, und so konnte sie diesem Geheimnis nicht weiter auf den Grund gehen. Sie wünschte ihm eine weiter ruhig verlaufende Wachschicht und wandte sich wieder der großen Halle zu. Dort angelangt, reichte sie die Kette der ersten Reihe und berichtete ihnen kurz von der erfolgreich zugestellten Nachricht. Zu ihrer Überraschung wurde ihr Sarvans noch immer leerer Platz angeboten, wodurch sie in die Gespräche des hohen Rates involviert war, der leise, ohne dass die restliche Halle etwas hören konnte, miteinander über Gründe des Magieraufkommens diskutierten. Gerade redete einer der Zwerge, Sagarina erinnerte sich nicht an seinen Namen, denn er war recht neu im Amt:

„… Sarvan hatte letztens angedeutet, dass die Anomalien zunehmen, aber was könnte denn die Magier dazu veranlassen, solch einen Aufmarsch zu starten, ohne vorher auch nur zumindest das Militär in Kenntnis zu setzen? Nicht dass es sich noch um einen Putschversuch handelt.“

„Das ist doch Unsinn, Torhac, meinst du, dass es den Magiern irgend etwas nutzen würde eine Festung einzunehmen, die ohne Zusammenarbeit zum scheitern verurteilt ist?“ Das war die Elfe Larna. Sie sprach weiter: “ Es gibt viele gut mögliche Gründe dafür. Womöglich ist es eine ganz simple Anomalie mit verheerenden Folgen… zum Beispiel könnten die Baumstämme dieses Mörders auf dem Marktplatz in der Luft fliegen… Das bedürfte mehrerer Magier…“Die beiden männlichen Elfen neben Larna lächelten scheinbar amüsiert über die Vorstellung, die ermordeten Bäume könnten auf diese Weise zu etwas Rache kommen. Elfen waren schon merkwürdige Wesen, dachte Sagarina bei sich.Der Zwerg neben ihr schien ebenso zu denken:

„Fliegende Bäume… denkt ihr eigentlich mal an etwas Anderes? Für eine Handvoll Balken würden nicht…“ Er blickte zu Sagarina „Wieviele sagtet ihr? Hundert? Zweihundert?“ Sagarina blickte verdutzt weil sie angesprochen war. Der Zwerg sah sie noch einen Moment lang erwartungsvoll an und wandte sich dann wieder Larna zu: „Wie dem auch sei, es würden nicht so viele Magier ausrücken. Womöglich stürzt einer der Hauptgänge Des Tunnelsystems ein. Das würde die gesamte Stadt und ihre Versorgung gefährden und…“

Torhac meldete sich wieder zu Wort: „Das ist vollkommen ausgeschlossen! Bringt keine Schande über euer eigenes Volk, indem ihr behauptet, zwergische Tunnel könnten einstürzen. Ich selbst habe sie doch noch vor wenigen Wochen inspiziert. Eher hat ein Wilder einen Baum gefällt, als dass diese Tunnel…“

Larna unterbach ihn abermals: „Torhac, es ist gut möglich, dass ihr neu im Amt seid, doch auch ihr solltet euch angemessen benehmen. Ihr wisst eben so gut wie alle Anderen hier in der Halle, dass wir ebenso sehr Bäume fällende Wilde sind wie ihr fliegende Riesen. Ich gebe Krinnok recht, eine Gefährdung wie der Einsturz des Tunnelsystems würde jeglichen Aufwand rechtfertigen. Doch genug von dieser Diskussion, solange wir keine Gewissheit haben, können wir nichts tun. Ich schlage vor, die Menge ruhig zu halten, indem wir die Versammlung wie gewohnt fortsetzen, bis die Soldaten…“ Sie blickte zu Sagarina „… ankommen. Ich werde solange reden wenn niemand Einwände hat, wir können uns jetzt wirklich keine weitere Lappalie Torhacs leisten.“

Als keine Wiederreden erfolgten, erhob sie sich und bewegte sich elegant zum Rednerpult hin. Sie erlangte die Aufmerksamkeit der Versammelten und begann, dem üblichen Versammlungsprozedere nach zu gehen. Ein jeder, der Missstände oder Verbesserungsvorschläge vorstellen wollte, konnte diese vortragen, um diese dann in großer Runde zu diskutieren. Durch die Tradition, dass jeder aufsteht und seine eigene Sache vorträgt, verging bei diesen Versammlungen viel mehr Zeit als nötig wäre, jedoch wagte es seit Anbeginn der Treffen keiner, die Regelsatzungen des Gründers Thrýstal anzurühren. Doch das war Sagarina und dem hohen Rat nur recht. Heute ging es darum, Zeit zu schinden, ohne dass jemand etwas mitbekam, bevor der Saal umstellt war. Würde jemand aus dem Saal hinausgelangen und von der Magieraktion wissen, würde die Gerüchteküche nur so überkochen und womöglich eine Panik in der Feste auslösen.

Liebe und Aufrichtigkeit zum Volk sind zwei sehr schöne Sachen. Doch ein Jeder in der Regierung lernte schnell, dass sie sich schnell in Leid und Chaos wenden konnten.

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Vom Schaffen und Versagen – Rondrak der Zwerg Teil 1

Rondrak saß vor seinem Schreibtisch und grübelte. Es fiel ihm nicht ein, wie es gelingen sollte. Die Theorie stimmte, die Mechanik war an sich ausgefeilt, aber in der Praxis wollte es einfach nicht funktionieren!

„Kru-shnák zakern daíren krastowi na!“, fluchte er vor sich hin. Hierbei sei gesagt, dass Zwerge unheimlich gern Worte wie Kru-shnák benutzen, wenn sie sich gerade einmal aufregen, was sie durchaus häufig tun, vor allem wenn sie länger nicht geschlafen haben.

Der Zwerg betrachtete die Konstruktion, die vor ihm lag. Es fiel ihm schwer zu denken. Der Tag auf der Wache hatte ihm zu schaffen gemacht. Und nicht nur das, er musste auch in der Nacht davor schon Wache schieben, weil einer dieser schwachen Menschlinge mal wieder krank geworden war. Aber er tat es gern. Er verabscheute die Dämonen und wartete bis heute darauf einem von ihnen gehörig den Hintern zu versohlen. Leider waren nicht allzu viele Dämonen unterwegs, und so würde er wohl ewig weiter warten müssen. Eines Tages wäre es jedoch soweit: er würde vor einem dreckigen Dämonen stehen und eine seiner tollen Erfindungen gegen ihn einsetzen, die er bis dahin erfunden haben würde.

Da gab es nur ein Problem… In seinem ganzen Leben erkannte keiner die Genialität seiner Erfindungen. Jedes Mal aufs Neue ging er voller Stolz zum Patentamt, um seine neueste Entwicklung einschreiben zu lassen. Und jedes Mal aufs Neue wurde sie abgelehnt. Man würdigte ihn einfach nicht genug. Seit seine Frau wusste, dass seine Erfindungen nicht auf Begeisterung stießen, hielt auch sie ihn für kaum mehr als einen Versager. Das hätte sie ihm natürlich nie direkt gesagt, doch er wusste, dass sie so dachte.

Rondraks Frau war unzufrieden mit ihrer Situation. Er verdiente nur wenig Geld und sie konnten sich nicht viel Luxus leisten. Deswegen wollte er diesmal eine wirklich gute Erfindung bauen. Er wollte  allen zeigen, dass er auch etwas konnte. Letztens erst hatte ihm ein Bekannter zugesagt hunderte dieser neuen Erfindung zu bestellen, wenn er sie denn funktionstüchtig fertiggestellt bekäme. Er war am verzweifeln, denn er wusste einfach nicht weiter.

Rondrak stand auf und rieb sich die müden Augen. Er ging ins Bad, um sich das Gesicht und den Bart zu waschen. Für heute war es genug mit dem Erfinden. Seine Frau lag schon im Bett. Man konnte es ihr nicht verübeln, immerhin war es schon Stunden her, seit die Sonne untergegangen war. Er legte sich leise zu ihr ins Bett und schämte sich in diesem Moment für das Leben, das er ihr bot. Er dachte, er würde es wohl nie schaffen sie einmal zufrieden zu stellen. Mit diesem und ähnlichen Gedanken versank er in einen unruhigen Schlaf, der von Träumen über Versagen und Unzufriedenheit gefüllt war.

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Ausfall

Liebe Leser ,ihr habt sicher schon gemerkt, dass wir letzten Freitag nichts zustande gebracht haben. Endlich ist der Moment gekommen, an dem ich die Formulierung „Aufgrund technischer Probleme“ benutzen kann 🙂

Aus uns unbekannten Gründen schluckt Martins Pc die Hälfte der Dinge, die er eigentlich hochgestellt hat…  das fällt uns leider nicht immer sofort auf, da wir ja als Admins eine andere Ansicht der Seite haben. Wir werden dieses Wochenende mindestens zwei Geschichten hoch stellen, um das Versäumte wieder auf zu holen.

Danke für euer Verständnis und viel Spaß beim weiteren Lesen,

Sagarina

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Das Leben in einer Gemeinschaft – Isaac Teil 4

Omars Haus war beeindruckend. Niemals hätte Isaac sich träumen lassen, dass so viel echtes Holz in einem Raum sein kann, ohne hinter einem riesigen Schloss versiegelt zu sein. Er selbst saß auf einem Holzstuhl an einem Holztisch. Ihm gegenüber saß Omar in einem ähnlichen Stuhl und rauchte gemütlich eine Pfeife. Jedoch war es nicht der offensichtliche Reichtum, der dafür sorgte, dass Isaacs Mund offen stand, sondern das, was Omar erzählte. Er fing damit an, dass Psioniker eine Art Magier waren, die aber ihre Gedankenkraft benutzten, um ihre Fähigkeiten zu manifestieren. Allgemein wurde diese Fähigkeit vor der Allgemeinheit geheim gehalten. Zum Einen weil die Regierung nicht wollte, dass die Bevölkerung von den Psionikern wusste – wegen der angeblichen Gefahr eines Aufstandes – zum Anderen hielten die Psioniker sich bedeckt, da sie im Falle eines Aufstandes zahlenmäßig vollkommen unterlegen wären. Daher wurden die Gerüchte, die schon seit Jahren über Psioniker kursierten, in Märchen umgewandelt. Das dementsprechende Buch wurde innerhalb von einem Monat verfasst, durch einen Zauber um 100 Jahre gealtert und dann zufällig in einer Bibliothek der Feste „gefunden“. Die vermutlich wichtigste Fertigkeit von Psionikern ist, dass sie mit dem Geist eines jeden Menschen in Kontakt treten können. Untereinander fällt dies sehr viel leichter, da der Ansprechpartner einen ebenso geöffneten Geist vorweist wie man selbst. So konnten die Psioniker ein permanentes Netz aufrecht erhalten, in dem alle Psioniker- zumindest theoretisch- miteinander telepathisch verbunden waren. „So hast du auch Kontakt mit uns aufgenommen. Anfangs wird es noch schwer sein, dich einzuklinken, aber das kommt mit der Übung. Das Netz ist dazu da, um Informationen mit allen Psioniker auszutauschen.“ „Was machen wir mit diesem Wissen, Omar?“
„Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Erstens können wir das Wissen verkaufen und damit Geld verdienen.“ Er deutete in den Raum. „Zweitens ist es essentiell, dass wir von Zeit zu Zeit die richtigen Informationen an die richtigen Personen weiterleiten. Es gibt recht wenige Psioniker in der Feste, daher können wir nicht alles machen. Manchmal müssen wir der Regierung oder den Magiern einen kleinen Tipp geben.“ Omar löschte seine Pfeife und säuberte sie. „Isaac, ich weiß du hast noch viele Fragen, aber ich glaube es ist besser dir erst einmal beizubringen wie man sich ins Netz einklinkt. So kannst du die meisten Fragen einfach an die Gemeinschaft stellen und gleichzeitig übst du dich in deinen Fähigkeiten. Du hast es schon einmal geschafft, daher glaube ich, dass es nicht allzu schwer werden wird.“ Omar verstaute seine Pfeife,  rückte seinen Stuhl zurecht und sah Isaac in die Augen.
„Wir fangen jetzt an. Als ersten Schritt wirst du mit mir eine telepathische Verbindung herstellen. Dies tust du, indem du deine Gedanken zu mir aussendest. Es ist so, als würdest du mich mit deinem Geist berühren. Augenkontakt hilft hierbei sehr, ist aber nicht erforderlich. Also, versuche es mal.“ Isaacs grüne Augen sahen in Omars blaue. Er konzentrierte sich und versuchte seinen Geist auszuschicken und Omar zu berühren. Er musste überraschend feststellen, dass das Bewegen seines Geistes ungefähr so einfach war, wie das Bewegen eines Armes. Nur fühlte sich sein Geist taub an und war absolut ungeübt in solchen Sachen, daher wabbelte er etwas herum bis er Omar berühren konnte. Omar’s Geist fühlte sich stark an, wie die Muskeln eines trainierten Soldaten. Isaac meinte in dem Geist Omar’s etwas Belustigung zu spüren… und Überraschung. „So was mach ich nun, nachdem ich ihn berührt habe?“

„Einfach denken was du sagen möchtest. Du machst das sehr gut. Nur wenige schaffen das so schnell.“

Isaacs Augen weiteten sich in Schock, als er Omars Stimme hörte, aber seine Lippen sich nicht bewegten. „Mit einer einfachen Verbindung wie wir sie hier jetzt haben, kann man miteinander kommunizieren und einfache Gedanken und Emotionen austauschen. Eine solche Verbindung kann auch mit nicht psionisch veranlagten Personen errichtet werden, wobei man dann nur sehr einfache Emotionen und Bilder übermitteln kann. Komplexere Dinge wie Gedanken und Sätze würden von banaleren Wesen nicht verstanden werden. Zwerge können noch weniger verstehen als Elfen oder Menschen. Dass liegt aber eher daran, dass sie verdammt stur sind, als an irgend etwas Anderem.“ Omar brach den Augenkontakt mit Isaac ab. Sein Geist rutschte ein Stück von Omars Geist weg, aber mit viel Willenskraft konnte er den Kontakt aufrecht erhalten. „Sehr gut Isaac. Eine solche Verbindung kann man natürlich auch noch tiefer gehen lassen, aber das ist heute nicht unser Ziel.“ Mit einem kleinen Schubs schob Omar Isaac von seinen Gedanken weg und sprach normal weiter. „Um nun das Netz zu erreichen musst du deinen Geist expandieren lassen, er muss so groß werden, dass er die ganze Stadt ausfüllen könnte. Wenn du dich ins Netz eingeklinkt hast, möchte ich, dass du dich ein wenig mit den Anderen unterhältst. Du solltest auch mal die Anderen Psioniker kennenlernen. Isaac nickte und lehnte sich zurück. Dann ließ er seinen Geist das ganze Zimmer ausfüllen, dann das Haus und die ganze Straße. Langsam breitete sich Isaacs Bewusstsein in der Feste aus. Während er dies tat, kam er in Berührung mit anderen Psionikern. Erst mit einem, dann mit zwei mehr und bald konnte er kaum noch mitzählen. Alle sprachen über verschiedene Dinge und Isaac hörte überall gleichzeitig zu. Es war ziemlich verwirrend.

Er läuft immer noch rum. Sollten wir nicht mal Bescheid sagen? Wer hat meinen Braten bewegt? Ich weiß doch, dass es einer von euch war, das ist nicht witzig! Ich hab Hunger. Also der Antrag steht bereit, wir müssen nur noch jemanden finden, der ihn stellt. Besteht irgendeine Gefahr dabei? Nicht das ich wüsste, eigentlich nur ein Blatt abgeben. Der Müller Fritz betrügt seine Frau mit der zwergischen Kellnerin aus der Schenke „Zum vollen Fass“! Wie soll das den anatomisch möglich sein? Bah, man kann auch zu viel wissen…

Isaac versuchte gerade, genug Mut zu finden um auch etwas zu sagen, als ein besonders lauter Gedanke ihn stocken ließ. „Omar, zwei Magier wollen dich besuchen. Es sind Helmut und sein Lehrling.“ Omar horchte auf und sah zur Tür. Die plötzliche Bewegung lies Isaac erschrecken, sein Bewusstsein schnellte aus einer Art Meditation zurück, was ihn etwas orientierungslos werden ließ. Omar sah zu ihm hinüber. „Das würde ich etwas langsamer machen. Aber nun Spaß beiseite. Die Magier kommen, um sich Informationen zu holen und ich werde sie ihnen geben. Du…“ er unterstrich das Wort mit einem Fingerzeigen, „.. bist absolut Still, ich rede hier, du beobachtest nur. Hast du mich verstanden?“ Isaac nickte. Omar lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Mit einem Blick zu Isaac sprach er telepathisch weiter. „Pass auf Isaac, die nächste Lektion beginnt in 3, 2, 1…“ Zwei Magier traten ein. Einmal ein Magiermeister, klar erkennbar an den Roben und seiner Haltung. Der Lehrling, der ihm folgte, sah sich erstaunt im Raum um und betrachtete das ganze Holz. Erst danach sah er Omar an. Isaac konnte regelrecht spüren wie das Unbehagen in ihm wuchs, je länger er Omar ansah. Nach einer kurzen Weile blickte er zu Isaac. Der Lehrling hatte kurze braune Haare und braune Augen. Zusätzlich zu seinem markanten Kinn hatte er noch kleine abstehende Ohren. Außerdem kam er Isaac bekannt vor. Er kratze sich am Kopf, während er versuchte sich daran zu erinnern, wo er diesen Magier schon mal gesehen hatte. Der Magiermeister ergriff endlich das Wort.

„Omar, wie geht es euch?“ „Helmut, mir geht es genauso gut wie hoffentlich auch dir. Ich habe dich schon erwartet. Willst du mir nicht Tamel vorstellen?“ Aus der Reaktion von Tamel schloss Isaac, dass er noch nie den Vornamen von seinem Meister gehört hatte und er selbst musste ein Kichern unterdrücken, der Name war auch bescheuert für einen Magier. Aber wo hatte er Tamel nochmal gesehen? Einer Eingebung folgend klinkte er sich ins Netz ein, diesmal gelang es ihm viel schneller. Er war stolz auf sich, trotzdem noch dem Gespräch im Raum folgen zu können. „Nett dich kennenzulernen, Tamel, und unter Freunden, ich würde den Mund wieder schließen, es sieht nicht besonders imposant aus, besonders für einen Magier.“ Tamel wurde rot und wieder musste Isaac ein Kichern unterdrücken, was ihm diesmal schwerer gelang, da er sich gleichzeitig auch noch im Netz unterhielt. „Sagt mal, kennt einer von euch diesen Jungmagier?“

Nachdem Isaac sein Gedanken geformt hatte schickte er ein Bild von rot gewordenem Tamel hinterher. Währenddessen ging das Gespräch weiter. „Helmut… Darf ich dir ein neues Mitglied meiner Familie vorstellen. Der Junge hier ist Isaac.“ Erschrocken musste er feststellen, dass er doch an dem Gespräch hier teilnehmen musste. Um nicht die Verbindung zum Netz zu unterbrechen ließ er die Begrüßung so knapp wie möglich. „Hallo, Helmut. Hallo, Tamel.“ Außerdem schüttelte er die Hand von beiden Magiern.  Als er die Hand von Tamel ergriff, kam die Antwort aus dem Netz. Es war der Magier, der sich fast in einer Bibliothek beim Korrigieren einer Anomalie umgebracht hatte. Das Bild kam kurz nach der Erkenntnis. Das war zu viel für Isaac, er konnte sich nicht mehr zusammen reißen und brach in schallendes Gelächter aus. Tamel schaute verwirrt, während der Meister so aussah, als hätte er so etwas erwartet.

„KRIEG DICH SOFORT WIEDER EIN!“ Der mentale Schrei von Omar warf Isaac abrupt aus seinem Lachanfall. Schuldbewusst sah er kurz zu Omar. „Sie mich nicht an, der alte Magier ist schlau und weiß schon viel zu viel.“ Sofort sah er wieder zu den Magiern um noch zu sehen, dass auch sie einen Blick ausgetauscht hatten. Isaac fühlte sich nun erst recht schuldig. Wieder ergriff Helmut das Wort. „Omar, ich wollte eigentlich nur fragen, ob es was Neues gibt.“ „Komisch, dass du mich ausgerechnet heute gefragt hast, ich hab gerade etwas gehört.“ Meister Helmut holte einen kleinen Lederbeutel hervor und warf ihn auf den Tisch. „Nun, Helmut, erinnerst du dich an Viktor?“ Die Augen des Magiermeisters verengten sich und er nickte. Die Frage schien ihm nicht zu schmecken. „Es ist viel schlimmer.“ Die Augenbrauen des Meisters schossen vor Erstaunen so hoch, dass sie in seinem Haaransatz verloren gingen. Diese Antwort schien ihm absolut nicht zu schmecken. Isaac nahm sich gerade vor Omar telepathisch zu fragen, was seine kryptische Aussage zu bedeuten hätte, als beide Magier stutzten und innehielten. Beide sahen sich mit fragendem Blick an, als ob sie nach einer Bestätigung suchten. Der ältere Magier murmelte etwas vor sich hin: „Noch nie hab ich….“

Diese Aussage fand Isaac besonders interessant. Was hatte er noch nie? Helmut schien sich daran zu erinnern, dass noch zwei weitere Personen im Raum waren und drehte sich wieder zu ihnen um. „Es tut mir leid, aber leider habe ich andere dringendere Geschäfte um die ich mich kümmern muss. Ich bedauere, dass wir keine Zeit hatten um einen Grog zu teilen und ich verspreche, dass ich es nachholen werde.“ Er bedeutete Tamel, dass er ihm folgen sollte. Isaac konnte es sich nicht verkneifen. Er rief dem jungen Magier hinterher: „Viel Spaß in der Bibliothek, Tamel.“ Durch die Tür konnte Isaac gerade so sehen wie der Magier stockte, aber sich nicht umdrehte. Dann war er es also wirklich. Als er die Haustür zufallen hörte drehte er sich zu Omar. „Was hatte das zu bedeuten?“ Omar sah ihn sauer an. „Erstmal musst du lernen dich zu beherrschen. Man kann kein guter Psioniker sein, wenn man andauernd lachen muss und du darfst auch nicht preisgeben wie viel du wirklich weißt. Es ist unser größter Vorteil!“ Beschämt sah Isaac zu Boden. „Aber um deine Frage zu beantworten. Es bedeutet, dass wir die Einzigen sind, die ein Geheimnis hüten.“

„Und was machen wir jetzt?“ Omar lächelte „Wir sorgen dafür, dass es bald kein Geheimnis mehr ist.“

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Die große Halle- Die Versammlung

Die große Halle war gut gefüllt. Der einer halben Pyramide gleichende Raum summte vom Murmeln der knapp hundert Versammelten. In der vordersten Reihe, direkt vor dem kleinen, die Spitze der Pyramide bildenen Rednerpodest standen neun metallene Stühle. Auf dreien davon saßen Elfen, die eine davon weiblich. Sie strahlten Ruhe und Eleganz aus, ganz im Gegensatz zu den zwei Menschen zu ihrer Rechten. Die beiden tuschelten über einen leeren Stuhl hinweg mit den drei Zwergen, die wiederum rechts neben den Menschen saßen. Wenige Schritte hinter dieser Reihe aus neun Stühlen folgte eine Reihe von 18 Stühlen länge. Je weiter hinten die Reihen lagen, umso tiefer waren sie angebracht, sodass ein jeder im Raum den Redner hören konnte, dessen Stimme von der speziell gekrümmten Decke in den ganzen Raum reflektiert wurde. So lag die letzte der sieben Reihen ein halbes Stockwerk tiefer als die erste. Mit Ausnahme der hinteren beiden Reihen und des Stuhles in der vordersten Reihe waren die Plätze zur Gänze vergeben.

Einer der Zwerge in der vordersten Reihe, der linke, welcher zuvor am intensivsten mit dem Menschen geredet hatte, erhob sich und schritt zum Podest. Nicht alle nahmen sofort Notiz davon, denn der Zwerg verschwand fast hinter dem Podest, und so kehrte nur allmählich Ruhe ein. Die Zeit bis dahin wusste der Zwerg zu nutzen. Er justierte eine aufklappbare Fußbank am Podest und stellte sich darauf, um auf Stille zu warten. Als diese endlich eingekehrt war begann er, in den am Podest angebrachten Trichter zu sprechen: “ Hiermit eröffne ich die 1207. Großversammlung der letzten Bastion, damit wir uns über die Belange der Festung besprechen können, wie es der Gründer Thrýstal und seine Gefolgschaft damals befahlen. Ich beginne, stellvertretend für den heute aus unbekannten Gründen abwesenden Sarvan mit der Anwesenheitsprüfung.“ Als die barsche Stimme des Zwerges Sarvans Fernbleiben erwähnte, erhob sich Geflüster und Gemurmel in den unteren Rängen. Sie saßen zu niedrig und hatten die erste Reihe nicht sehen können. Mutmaßungen über Günde wurden ausgetauscht, jede eine schlimmere Katastrophe als die nächste, denn jeder kannte Sarvan, den zuverlässigen Magier… Und jeder kannte die Pflicht, zu erscheinen. Der Zwerg bemühte sich um Ruhe, doch als er nach mehreren diplomatischen Versuchen keinen Erfolg hatte, schrie er wutentbrannt in den Trichter:“ Seid endlich leise ihr vermaledeiten Langbeiner!“ Das hörte natürlich jeder. Diesen Affront gegen den Rest der Welt konnte man nicht überhören und so verstummte der Saal für einen Moment… nur um anschließend in Diskussionen über die Dreistigkeit der Zwerge zu verfallen. Der Zwerg blickte hilflos in die Rune und versuchte erneut, Ruhe einkehren zu lassen… doch erfolglos. Nach einigen Minuten, in denen der Zwerg allmählich begann, innerlich zu brodeln, erhob sich einer der Elfen aus der ersten Reihe. Er schritt mit natürlicher Eleganz zum Podest hin, raunte dem Zwerg etwas zu und begann dann selbst, in den Trichter zu sprechen:“ Ich bitte um Ruhe.“ Plötzlich wurde es stiller im Saal. Nicht, weil der Elf mehr Autorität hatte oder weil seine sanfte Stimme vielleicht lauter gewesen wäre. Nein. Der Mehrheit fehlten die Worte darüber, dass ein Elf einem Zwergen beisprang. Der Elf sprach weiter:“ Unser Freund Tarhoc war unbesonnen und bedauert dies sicherlich.“ Beim Wort Freund aus dem Mund eines Elfen blickte Tarhoc angewiedert zum Sprecher, fasste seine Miene jedoch sofort wieder. Der Elf fuhr fort: “ Doch diese Versammlung hat eine Aufgabe zu erfüllen, ganz gleich, wo Sarvan verblieben sein mag. Ich bitte euch also, ihn fortfahren zu lassen, da die Versammlung andernfalls geschlossen werden und Regierungsfragen im kleinen Kreise geklärt werden müssen.“ Dies überzeugte die Meisten: Die Zuschauer hatten teilweise ein Jahr lang gewartet, um einen Bittstellerplatz zu erhalten. Alle Anderen, also jeder, der ein Amt innehatte oder zum Achtzehnköpfigen Gremium, also der zweiten Reihe gehörte, hatten die Drohung über ihre Entmachtung durchaus gehört. Der kleine Kreis, also die neun Ratsmitglieder, hatten die Möglichkeit, eine Notstandsverordnung auszurufen und alle Entscheidungen alleine zu treffen. Die Ämter hatten ohnehin nur beratende Funktion, das Gremium hatte jedoch im Normalzustand 18 dem kleinen Kreise gleichwertige Stimmen in Abstimmungen, konnte diesen also mit Leichtigkeit überstimmen.

Der Elf suchte wieder seinen Platz auf,wo er wohlwollend von den Menschen in Empfang genommen wurde. Tarhoc stellte sich wieder auf seine Fußbank und sprach weiter: “ Gut gesprochen, Wil… Elf“ Das Wort schien ihm schwer zu fallen. „Ich fahre fort.“ Er begann nun, namen zu verlesen und sie auf einer Liste abzuhaken. Als er gerade mit den einzelnen Amtsvertretern begann, öffnete sich die Flügeltür am Fuße der Treppe, die zum Podest führt. Es traten eine Frau und ein Mann ein. Der Mann suchte sich einen freien Platz und setzte sich schnell. Die Frau hingegen schritt selbstbewusst die lange Treppe zum Zwerg hinauf. Sie sprach erst leise zu der sitzenden ersten Reihe, welche ihr eine Anweisung zu geben schien. Einer der Menschen drückte ihr etwas in die Hand und ging anschließend zum Rednerpult, während die Frau die Treppe wieder hinabschritt und den Saal auf demselben Wege verließ, durch den sie auch gekommen war. Der Mensch und Tarhoc tuschelten kurz, und Tarhoc setzte sich mit verdutztem Gesicht zurück auf seinen Platz. In der Halle war es totenstill.

Die Einen verstanden nicht, was los war, und die anderen ahnten schon, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war…

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Willkommen in der Feste Teil 3 – Tamel der Magier

„Sagt mal, Magier Tamel, glaubt Ihr eigentlich an Märchen?“ fragte Tamels Meister plötzlich, während sie durch die Händlerviertel schritten.
„Märchen sind doch nur Unsinn.“, beantwortete der Jungmagier abfällig. Sein Meister seufzte.
„Ich sollte meine Frage konkretisieren: Glaubt Ihr an Psioniker?“
Tamel blieb fast stehen. Das konnte doch keine ernst gemeinte Frage sein, oder doch? Psioniker dienten doch nur als Schreckenswesen in Geschichten um die Jugend zu verängstigen. Selbst in der Akademie hatte er diese Geschichten nie behandelt.
„Eurem stocken entnehme ich, dass ihr nicht daran glaubt?“ Tamel nickte langsam, unsicher, was er dazu sagen sollte.
„Nun, lasst mich Euch eines Besseren belehren. Psioniker sind real.“
Diesmal blieb er wirklich stehen. Mit offenem Mund starrte er seinen Meister an. Der Alte musste langsam senil werden. Es gab Psioniker? Aber das schien doch überhaupt nicht möglich zu sein. Mit einem kleinen Sprint holte Tamel wieder auf.
„Aber Meister…“
„Ihr fragt euch sicherlich, was von den Geschichten wahr ist und was nicht. Nun, ich kann euch beruhigen. Sie ernähren sich nicht von entführten Kindern. Sieh sie einfach als eine andere Art Magier.“
„Aber können sie….“
„…deine Gedanken lesen?“ beendete der Meister den Satz für ihn. „Ich weiß es nicht. Vielleicht sind die Fähigkeiten der Psioniker das am Besten behütete Geheimnis innerhalb der Feste. Man weiß nicht woher, aber die Psioniker wissen praktisch alles, also solltest du, für den Fall dass sie es können, versuchen nicht an irgendwelche Geheimnisse zu denken.
„Warum für den Fall?“
„Weil wir jetzt einen besuchen werden. Ach und noch was: Versuche nicht sie zu verstehen. Außer Informationen werden sie dir nichts als Kopfschmerzen bereiten.“
Der Meister bog plötzlich in eine Nebenstraße und klopfte drei Mal, bevor er sie öffnete und eintrat. Schnell folgte ihm Tamel und schloss die Tür hinter ihm.

Es war eine gemütlich eingerichtete, kleine Wohnung. Die beiden Magier betraten eine Art Flur, welcher in einem Wohnzimmer endete. Tamel war erstaunt, wie viele Möbel aus Holz es hier gab. In der Akademie gab es schon das eine oder andere Einrichtungsstück aus Holz, aber hier… Es sah sogar wie echtes Holz aus, nicht das Billige, magisch Reproduzierte welches unter anderem in Türen verwendet wurde. Hier gab es Holzstühle, einen Holztisch, Holzschränke, Holzschnitzeren und sogar neben einer Feuergrube lag etwas Holz. Tamel brauchte etwas, bis er seinen Blick von den ganzen Reichtümern abgewandt hatte. Erst jetzt registrierte er, dass außer seinem Meister noch zwei andere Personen in dem Raum saßen. Ein Älterer Mann mit fast nicht vorhandenem, grauem Haar und einem vollen Bart musterte Tamel gerade durch seine eiskalten, blauen Augen. Tamel fühlte sich unsicher und wandte seinen Blick von dem Alten ab, um die andere Gestalt zu betrachten. Es war ein Junge. Er war gerade mal so alt, dass er weichen Flaum am Kinn bekam. Auch hier sahen helle, aufmerksame Augen ihn an. Diesmal waren sie grün und hatten nicht dieselbe durchbohrende Kraft, wie die des Alten. Diese Augen musterten ihn aber auch nicht. Der rothaarige Junge kratzte sich am Kopf, als ob er versuchte sich an etwas zu erinnern. Sein Meister ergriff endlich das Wort.

„Omar, wie geht es euch?“ Die blauen Augen vom glatzköpfigen Mann wanderten zu seinem Meister.
„Helmut, mir geht es genauso gut wie hoffentlich auch dir. Ich habe dich schon erwartet. Willst du mir nicht Tamel vorstellen?“
Tamels Kinnlade fiel herunter. Erstens kannte dieser Psioniker seinen Namen und Zweitens, was ihn viel mehr schockierte, hatte er Tamels Meister mit seinem Vornamen angeredet. In den vielen Jahren seiner Ausbildung hatte er ihn nicht ein Mal gehört. Omar streckte seine Hand aus und ergriff die von Tamel.

„Nett dich kennenzulernen, Tamel, und unter Freunden, ich würde den Mund wieder schließen, es sieht nicht besonders imposant aus, besonders für einen Magier.“

Tamel lief rot an während er den Mund schloss. Er war vollkommen aus seinem Element. In der Akademie wurde ihm beigebracht wie man respektvoll mit Menschen, Zwergen und Elfen redet. Dieser Omar jedoch warf gerade jede Regel die Tamel gelernt hatte aus dem Fenster. Verunsichert nickte er nur.
„Helmut… Darf ich dir ein neues Mitglied meiner Familie vorstellen. Der Junge hier ist Isaac.“
„Hallo, Helmut. Hallo, Tamel.“
Isaac ergriff erst die Hand des Meisters, dann die von Tamel. Während er die Hand von Tamel schüttelte wurden seine Augen plötzlich groß und er fing an prustend zu lachen. Der Lachanfall hörte so schnell auf, wie er kam. Nachdem er sich eingekriegt hatte schaute Isaac kurz schuldbewusst zu Omar . Auch Tamel warf seinem Meister einen schnellen Blick zu. Die Bedeutung des Blickes, den er von seinem Meister erntete, war klar: Er sollte die Klappe halten und nichts kommentieren. Wieder brach sein Meister die Stille.
„Omar, ich wollte eigentlich nur fragen, ob es was Neues gibt.“
„Komisch, dass du mich ausgerechnet heute gefragt hast, ich hab gerade etwas gehört.“

Meister Helmut holte einen kleinen Lederbeutel hervor und warf ihn auf den Tisch.
„Nun, Helmut erinnerst du dich an Viktor?“ Die Augen von dem Magiermeisters verengten sich und er nickte. Diesen Gesichtsausdruck hatte Tamel noch nie gesehen und es gefiel ihm nicht.
„Es ist viel schlimmer.“
Die Augenbrauen des Meisters schossen vor Erstaunen so hoch, dass sie in seinem Haaransatz verloren gingen. Doch bevor er oder Tamel noch irgendetwas fragen konnte spürten sie beide etwas. Eine große Welle magischer Energie schwappte über sie beide hinweg. Tamel musste sogar ein Schritt vorwärts machen um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Beide Magier sahen sich an. Beide hofften, dass andere Wellen folgten… doch es kamen keine. Tamel’s Meister schüttelte seinen Kopf
„Noch nie hab ich….“
Beide wussten was nur eine Welle der magischen Alarmglocke bedeute und beiden gefiel es nicht. Absolut nicht. Hastig drehte sich der Meister wieder um. Mit einem Schreck bemerkte er, dass beide Psioniker aufmerksam zusahen. Meister Helmut verbeugte sich.
„Es tut mir leid, aber leider habe ich andere dringendere Geschäfte um die ich mich kümmern muss. Ich bedauere, dass wir keine Zeit hatten um einen Grog zu teilen und ich verspreche, dass ich es nachholen werde.“ Mit einer kleinen Handbewegung zu Tamel verließ er den Raum. Als Tamel seinen Meister in den Flur folgte schrie Isaac ihm etwas hinterher:“Viel Spaß in der Bibliothek, Tamel.“

Verwirrt blieb Tamel ein Moment lang stehen. Konnte er es wissen, wie er … ? Nein, es ist kein Geheimnis, dass Magier viele Bücher lesen. Das musste es sein. Irgendein Witz von einem Jüngling. Kopfschüttelnd verließ er die Wohnung. Er beschloss, dass er Psioniker nicht wirklich mochte. Er hatte auch keine Zeit drüber nachzudenken.

Es gab schlimme Probleme, die seine Aufmerksamkeit erforderten.

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Eine kleine Ankündigung

Hallo, ihr wundert euch sicher, weshalb nur ich, Sagarina, meine Geschichten veröffentliche, obwohl ihr euch doch viel mehr auf Martins Geschichten freut! Aber gut Ding soll ja bekanntlich Weile haben. In der Feste sind noch keine paar Tage vergangen, während das wahre Leben unaufhaltbar weiter rennt. Doch auch in der kurzen Zeit, die wir alle die Feste besucht haben ist unheimlich viel passiert: Tamel durfte etwas Stadtluft schnuppern… Isaac hat neue Freunde gefunden… Loran ist (fast) wieder der Alte und Sagarina… naja, ihr merkt ja wie sie trödelt.

Wir möchten an dieser Stelle all jenen danken, die uns die letzten Monate unterstützten, und widmen das nun folgende 2. Kapitel genau diesen Leuten.

Wir hoffen es macht euch allen ebenso viel Spaß, die Geschichten zu lesen, wie es uns Spaß macht,  die Seite zu gestalten. Doch genug Sentimentales von meiner Seite:

Vorhang auf für Martin und Kapitel 2

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Arbeiten 2 – Sagarinas Geschichte Teil 5

Sagarina war noch immer im Archiv. Sie hatte die wichtigsten Details nachgeschlagen- nunja… viel mehr hatte Manuel sie ihr aufgesagt- und so schlenderte sie nun durch die Regalreihen, wobei sie stets Manuel im Auge behielt. Natürlich ging es sie nichts an… aber etwas Interesse für die eigenen Mitmenschen konnte nie schaden, oder?

Manuel seinerseits las die verschiedensten Akten- für Sagarina schien die Auswahl ziemlich kontrovers- und unterbrach das Lesen nur, um den Archivar Sofon auf unsachgemäße Lagerung oder undeutliche Schrift anzusprechen. Alles in allem verhielt sich Manuel nicht anders als sonst. Arbeiten… Penibel auf Korrektheit achten und… nunja… schlau sein eben. Irgendwo aus der Ferne hallte ein Glockenschlag in das Archiv. Sofon atmete auf. Das Geräusch bedeutete, dass das große Treffen bald beginnen würde. Endlich war Sofon Manuel und seine Kleinkariertheit für heute los. Sagarina warf ihm ein mitleidiges Lächeln zu, bevor Manuel und sie sich auf den Weg zum Treffen machten. Diesmal schritten die Beiden nicht durch einen großen Gang, sondern schlängelten isch durch viele kleine Gänge, um schneller das Zentrum des Gebäudes zu errechen. Sie waren noch nicht weit vom Archiv entfernt, da fragte Sagarina unvermittelt:“ Wer ist sie denn jetzt?“ Manuel blieb stehen. Er schien in Gedanken ganz woanders gewesen zu sein und fragte mit verwirrtem Gesichtsausdruck: „Sie? Entschuldige, aber wovon redest du?“

Sagarina war überrascht. Entweder konnte Manuel überzeugender schauspielern, als sie dachte, oder er wusste wirklich nicht, worum es ging. „Na… du weißt schon, deine Freundin, du musst dich doch ni…“ Manuel unterbrach sie harsch:“ Ich habe dir doch schon gesagt, dass da nichts ist.“ Das Thema war ihm sichtlich unbequem. Er sah nervös aus, und Sagarinas immer breiter werdendes Grinsen machte es ihm nicht leichter. Sie erwiderte:“ Du hast lediglich gesagt, es wäre persönlicher Natur.“ „ Ja… nun… das ist es eben auch, MEINE Privatangelegenheit.“ Er machte einen trotzigen Eindruck. Sagarina versuchte es jetzt anders. In kollegialem Ton sagte sie:“ Aber mir kannst du es doch sicher sagen… Manuel… wir sind doch Kollegen! Wir verbringen unseren halben Tag, unser halbes Leben miteinander!“

„Gemäß dem Paragraphen 374C, Absatz A, Zeile 11 ist die strikte Trennung des Amtlichen und des Privaten eine Verpflichtung für jeden Amtsinhaber. Unsere Zusammenarbeit verpflichtet mich zu keinerlei Austausch ob meiner familiären Angelegenheiten.“

Das saß. Sagarina kannte diese Taktik… kannst du nicht gewinnen, schmeiß mit Gesetzestexten um dich. Wenn Manuel dies tat, konnte man es auch gleich aufgeben, dagegen an zu gehen. Manuel war hierbei der ungeschlagene Meister. Bisher war Sagarina noch nie in dieser Situation gewesen… Doch bisher wusste sie auch nichts über Manuels Privatleben… und scheinbar sollte es auch vorerst dabei bleiben. Denn bevor Sagarina sich eine Erwiderung zurechtgelegt hatte, plapperte Manuel munter weiter: „Laut Paragraph 3, Absatz B ist das Versäumen und das hiermit einhergehende Unterlassen der Pflichtausübung bei der Generalversammlung ein Verstoß und muss, sollte kein triftiger Grund vorliegen, geahndet werden.“

Das saß noch mehr. Sagarina fiel auf, dass sie noch immer in dem kleinen Gang nahe dem Archiv standen. Sie mussten weiter. Sie wussten es beide, und nachdem sie sich noch kurz in die Augen sahen wandten sie sich zum weitergehen und schwiegen den restlichen, im Eiltempo zurück gelegten Weg in die Große Halle.

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Arbeiten- Sagarinas Geschichte- Teil 4.1+ 4.2

Sagarina stieß die Pforte auf und eilte in das riesige Gebäude. Sie hatte keine Zeit sich die verschnörkelten Verzierungen auf den Simsen und die kunstvollen Mosaike an der Außenwand zu verinnerlichen. Sie war spät dran… sie war sogar viel zu spät dran. Das würde mal wieder Ärger geben… so jung im Amt und ständig zu spät- Doch immerhin hatte es sich dieses eine Mal gelohnt, die halbe Nacht auf den Beinen zu sein. Sie schritt die Treppe in der Vorhalle hinauf und wanderte durch mehrere weitläufige Gänge, bevor sie vor ihrer Abteilung stand. Sie atmete einmal tief durch und öffnete die Tür. Wie zu erwarten war, saß Manuel kerzengerade auf seinem Stuhl und arbeitete gewissenhaft. Er war der perfekte Arbeiter. Es gab kein Fakt, welches er nicht wusste, er kam nie zu spät oder war gar krank, und wenn doch, dann nur weil er sich an einem Berg Akten den Rücken verhoben hatte. Als Sagarina eintrat sah er kurz auf. „Du bist spät.“ Es lag kein Vorwurf in den Worten. Es war nur eine Feststellung. „Es tut mir leid, aber du weißt ja, es ist Markttag. Da draußen gibt es Holz… Und wütende Zwerge“ Sagarina setzte eine Unschuldsmiene auf. Manuel gab nur ein zustimmendes Grummeln von sich und war schon wieder in seiner Arbeit versunken. Es verwunderte sie immer wieder aufs Neue. Egal, worum es geht, er fragte nie nach und doch wusste er meist besser Bescheid als alle Anderen. Es würde Sie nicht überraschen, wüsste er den Vorfall mit dem Zwerg auch schon. Sagarina wusste nicht woher. Doch solange er funktionierte, interessierte es auch kaum jemanden. Er war halt schlauer als Andere. „Gibt’s was Neues?“ Sie suchte ihren Platz auf- Im Gegensatz zu Manuels mit beschriebenen Lederrollen, Metallplatten und anderen Dokumenten übersäten Tisch war ihrer mit Ausnahme eines Tintenfasses mit frisch gespitzter Feder leer. Manuel, ohne von seiner Arbeit aufzublicken, erwiderte: „ Heute früh gab es etwas Neues.“ Er machte eine missbilligende Pause, bevor er weitersprach: „Aber ich bin eigentlich soweit durch. Der Holzfäller draußen wollte seine Lizenz, die Zwerge wollten einen neuen Schacht absegnen lassen und die Elfen feiern morgen wohl eine Geburt.“ „Eine Geburt? Wie viele sind es denn jetzt genau?“ „Nach meinem Wissen 3463 in der Stadt. Und nochmal rund 300 Verrückte die über das Gebirge gehen wollten.“ Sagarina stand auf und stellte sich hinter Manuel. „Sage mal, wenn es nichts mehr zu tun gibt… was schreibst du dann so eifrig?“ Sie beugte sich über seinen Tisch und sah, dass er auf einen Fetzen Stoff schrieb. Doch bevor sie etwas Lesen konnte hatte er den Fetzen eingesteckt. „Das… ist persönlicher Natur… ein Freund… ein Verwandter von mir… weißt du?“ Er war blasser geworden und verhaspelte sich in seinen Worten. Sagarina musste lachen, als sie seinen verschreckten Gesichtsausdruck sah. Sie setzte sich wieder… „Ein Brief persönlicher Natur also?“ sagte sie bedeutungsstark. „Hat der alte Mann vielleicht doch ein Herz?“ „Manuels Gesichtsfarbe wechselte von weiß zu rot und Manuel stammelte nur „Es ist nicht… wonach es vielleicht aussieht… es ist…“ „Lass es gut sein.“ Sie zwinkerte ihm zu „Aber wenn du reden willst, du weißt ja wo du mich findest.“ Manuel schien sich mit seinem Schicksal abzufinden. Er seufzte und sagte „Ja… ich werd dich wohl in der nächsten Kneipe finden- Da war es wieder, er bekam immer alles mit. „Woher weißt du das?“ Manuel sah sie mit seinem diplomatischen Lächeln an. „Du riechst nach Grog, mehr nicht.“ „Achso… sagst du mir jetzt wer sie ist?“ Sagarina hatte den Faden wieder aufgenommen. Manuel wurde noch röter, kramte die Dokumente auf seinem Tisch zusammen und erhob sich mit ihnen auf dem Arm „Ich werde dann… Ich werd‘ dann die Sachen mal dem alten Sofon zur Archivierung geben. Denk an das Treffen nachher.“ Bevor Sagarina ihn aufhalten konnte, war der Beamte mit einem erstaunlichen Tempo aus der Tür hinaus.

Sagarinas Geschichte Teil 4.2

Sagarina sah Manuel nach. So durch den Wind war er selten, besser gesagt nie. Sie begann abermals zu grinsen. Der alte Mann hatte ein Geheimnis und sie würde es herausfinden. Aber er hatte recht. In wenigen Stunden war eines der großen Regierungstreffen, und sie sollte sich vorbereiten. Sie schrieb alle seit dem letzten Treffen erbetenen Lizenzen mit Kreide auf ein Stück Schwarzstein und begab sich auf den Weg zum Archiv, um die Lizenzen nach Regelmäßigkeit zu Untersuchen. Vermutlich würde sie sowieso nicht gefragt werden, Manuel wusste schließlich besser Bescheid, doch das war kein Grund nachlässig zu werden. Vor allem nicht, wenn der Gang zum Archiv ihr eine weitere Gelegenheit bot, Manuel auszuquetschen.

Sagarinas und Manuels Abteilung lagen im Südwesten des Regierungsgebäudes. Das Archiv im Nordwesten. So schritt Sagarina durch etwaige lange Gänge und betrachtete die Kunstwerke, die ihren Weg säumten. Sie kannte den Weg auswendig. Bornir, der Begründer des Eisernen Clans…. Glaran, der Begründer des Elfenhaines… Morn, der letzte Anführer der Zauberer-Gilde… und viele andere griesgrämig dreinblickende Anführer… Auf halbem Weg zum Archiv säumte ein großer Gang zu Sagarinas Linken ihren Weg. Sie schenkte ihm für gewöhnlich keine Beachtung. Dieser frei schwebende Gang, ein Meisterwerk der zwergischen Schmiedekunst und der Magie, führte direkt zum Hauptgebäude im Magier-Viertel. Dieses Mal musste sie ihm Beachtung schenken. Ein bis Zweihundert Magier, alle in derselben Schwarzen Kluft, welche sie als Mitglied der Anomalien-Jäger auszeichnete, quollen im Eiltempo aus diesem Gang hervor. Sagarina wusste nicht, dass es SO viele von ihnen gab… außerdem… was war so entsetzlich groß, dass es diese Anzahl Magier brauchte? Zwei… vielleicht auch Fünf… aber das? Sie versuchte einen der Magier zu Fragen, doch außer einer harschen Zurechtweisung, sie solle aus dem Weg gehen, bekam sie keine Antwort. Als der Strom der schwarzgekleideten versiegte, stand Sagarina noch immer wie ein staunendes Kind da, und starrte auf den Gang. Einen Moment schien es ihr, als würde sich der Gang von der Last die er soeben tragen musste durchbiegen. Doch sie musste weiter. Je früher sie im Archiv war, umso wahrscheinlicher war es, dass sie Manuel traf. Sie setzte ihren Weg durch den langen Gang fort. Ein paar Minuten lang begegnete ihr niemand, bis dann Sarvan entgegen hetzte. Sarvan war ein hohes Tier bei den Magiern… glaubte Sagarina… jedenfalls war er der Vertreter der Magier in der Regierung. Das Treffen sollte in einer der nördlichen Hallen stattfinden… und das bald. Also fragte Sagarina den Magier: „Wohin so eilig?“ Der Mann schritt unbeirrt weiter und während er an ihr vorbeihastete murmelte er grimmig „Keine Zeit… Anomalie…“  „Aber Sarvan, das Treffen beginnt gleich, ihr könnt doch unmöglich fehlen!“ rief Sagarina dem Magier hinterher, worauf sie nur noch leise die Antwort hörte: „Dann sollen sie sich wann anders Treffen. Es gibt wichtigeres im Leben als Gerede!“

Etwas war nicht in Ordnung. Das war Sagarina jetzt klar. Wenn Sarvan die Versammlung schwänzt, musste etwas Ernsthaftes zugange sein. Der Gedanke daran beschäftigte sie noch den ganzen restlichen Weg ins Archiv und ließ sie erst los, als sie Manuel, wie zu erwarten war, über einen Haufen Akten gebeugt sah.

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Stimmen- Lorans Leid, Teil 3

Loran saß im Schatten der Bäume im Elfenhain, unweit von Alareas Statue und versuchte, seine Gedanken zu Ordnen. An diesem Ort fühlte er sich sicher. Er konnte die Bäume zwar nicht mehr verstehen- er hörte noch immer nur ein Rascheln und Rauschen- doch er wusste, dass ihre Seelen die seine schützend umgaben. Warum musste es ausgerechnet ihn treffen? Jeden Anderen, Aber doch nicht ihn! Loran ertappte sich dabei, wie er seinen Bruder beneidete, und sich fast wünschte, es hätte ihn statt seiner getroffen. Doch sowas durfte er nicht denken. So etwas durfte niemand denken. Loran liebte seinen Bruder wie keinen anderen und- ein Geräusch ließ seine Gedanken abrupt enden. Seit die Seelen nicht mehr mit Loran sprachen war er zusehends schreckhafter geworden. Es war einfach einen Unterschied ob einem die Bäume verrieten wer kommt oder ob man warten muss bis sich der Nahende zeigt. Er sah sich um und lauschte… Nichts. Nur das Rascheln der Blätter im Wind… Da war es wieder… Ein Wispern.. Loran schaute über sich, ob dort vielleicht etwas war… wieder nichts. Irgendwas am Blätterdach wirkte jedoch falsch. Loran hörte die Blätter rascheln… doch sie bewegten sich nicht. Nach einem Moment ungläubigen Starrens erkannte Loran, dass das Rascheln nicht von den Blättern kam, sondern das noch immer anhaltende Rauschen in seinem Kopf war. Jetzt, wo er darauf achtete schien es ihm als wäre da noch etwas außer Rauschen. Er konzentrierte sich auf das Geräusch- und erschrak. Er hörte etwas. Hörte etwas! Wenn da nur dieses Rauschen nicht wäre. Loran legte all seine Konzentration auf die leisen Geräusche und bat, der inneren Stimme misstrauend, mit echten Worten: „ Sprecht mit mir.“
Nichts. Loran verharrte in Konzentration. Als er gerade aufgeben wollte, spürte er, wie einer der Bäume seine Seele sachte berührte und eine einfache, hinter dem Rauschen fast unhörbare Botschaft sandte. Es war ein fragendes Gefühl, ob Loran ihn verstand. Als Loran begann zu antworten kam er gar nicht dazu. Ihn überrollte eine Welle aus Glück. Sie kam nicht von ihm selbst, der Baum schien sich unendlich zu freuen dass Loran seine Fähigkeit zurück hatte, und sie blieben eine Weile in Verbindung. Mit Freude stellte Loran fest, dass er den Baum immer deutlicher Verstand. Nach einiger Zeit, Loran hatte das Gefühl dafür verloren, gelangte ein fremdes Gefühl in seinen Geist. Ein Wesen, das sich einfach fremd, einfach falsch anfühlte erfüllte den Ort in Lorans Seele, an dem zuvor der Baum gewesen war.
Was war Neu. Loran ergriff die Panik. Es fühlte sich an, als würden Ameisen durch sein Innerstes laufen. Er versuchte die Verbindung zu lösen, doch das einzige was er damit erreichte war, dass plötzlich auch noch eine tiefe Stimme wie nicht von dieser Welt ihm in das innere Ohr schrie. Worte die ebenso fremd waren wie das Wesen selbst überschwemmten Lorans Geist und es taten sich immer mehr Stimmen dazu. Nackte Angst übernahm Lorans Geist.
Loran rannte. Er rannte so schnell wie kein Mensch es je vermochte- die Stimmen in seinem Kopf.

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