Der Zwerg tobte. Sagarina, Bernolt und Theodor sahen gerade dabei zu, wie Argosh, der Zwergenälteste sich fast jugendlicher Raserei preisgab- Schimpfen hält halt jung- und über einen Soldaten her zog, der fast doppelt so groß war. Die Elfen hatten, kaum war der hohe Rat aus dem Gebäude herausgetreten, etwas von göttlicher Fügung und Feiern geredet, was keiner so recht verstanden hatte, und sind in Richtung des Elfenhains davon gelaufen.
Torhac und Tirk, die beiden anderen Zwerge hatten sich, kaum hatte die Gruppe die erste Barrikade durchschritten und vom Einsturz jener großen Brücke zwischen dem Magierturm und dem Regierungsgebäude erfahren, auf eine Idee Torhacs hin auf den Weg zur Erfindergasse gemacht, um dort einen Rondrak um Hilfe zu bitten. So waren Die drei Menschen alleine mit dem Zwerg verlieben, und hatten sich durch die Massen gedrängt, welche die Umgebung des Thrýstal-Ernesti-Platzes verstopften. Am Torbogen, welcher von dem Bewohnten Bereich auf den Platz führte war eine weitere Barriere aufgestellt worden.
Im Gegensatz zur ersten wurden sie nicht sofort eingelassen, sobald sie die Ketten des Rates vorzeigten. Ganz im Gegenteil: Der Soldat beharrte felsenfest darauf, sie nicht herein zu lassen. So kam es, dass Argosh sich auf das heftigste mit ihm stritt. Er hielt die vier Ketten hoch, welche sie dabei hatten und brüllte den Soldaten inzwischen ununterbrochen an.
„Das wird Konsequenzen haben du unfähiger Langbeiner!“ Der Soldat hingegen schaffte es dank seiner militärischen Disziplin ein reserviertes Gesicht beizubehalten.
„Es tut mir Leid, Sir. Ich habe die Anweisung von ganz oben erhalten und werde nicht eher-“
„Aber ich BIN ganz oben!“ der Zwerg unterbrach ihn und wedelte mit den Ketten vor dem Gesicht des Mannes herum.
„Wer soll denn-“ Auch er wiederum wurde unterbrochen von einer peitschenden und unnatürlich klingenden Stimme:
„Was ist hier los?“ Auf einen Schlag waren um die Barrikade herum zwei Meter mehr Raum, weil sich die erschrockene Menge unwillkürlich von der Stimme weg bewegte. Urheber dieser war ein schmaler, in eine aufwendige, weiße Robe gekleideter Magier. Sagarina erkannte ihn als Sarvan wieder, auch wenn sie sich wunderte, dass er noch die Zeit gefunden hatte, seine Robe zu wechseln seit vorhin. Er schritt durch die Barrikade und erblickte seine Ratsmitglieder. Argosh ging um den Soldaten, der jetzt Platz machte, herum und wollte schon zu einer Tirade über den Soldaten ansetzen, da sprach Sarvan wieder mit dieser merkwürdigen Stimme.
„Ich habe ihm den Befehl gegeben. Ich denke das ist der Grund für dieses Gelärme hier?“ Er machte eine rasche Geste und seine Stimme klang nun normal
„Doch lasst uns das drinnen besprechen, dort ist es ruhiger.“ Argosh wollte etwas erwidern, doch besann er sich eines Besseren und nickte. Der Magier wandte sich den Menschen zu und lächelte irritiert, als er Sagarina erblickte.
„So ist das also, da ist man mal ein Treffen lang nicht da und schon haben sie einen Ersatz, nicht wahr?“ Seine Augen blitzten schalkhaft. Seine gesamte Art strahlte Ruhe aus- so viel Ruhe, dass sich Sagarina später noch öfter fragte ob er nicht gerade zauberte, denn selbst Argosh, der Magier auf den Tod nicht ausstehen konnte und durch den Soldaten zusätzlich angestachelt war, blickte nun erwartungsvoll zu Sarvan. Dieser wiederum gab Anweisungen an den Soldaten, er solle, wenn sie denn kämen, die beiden Zwerge einlassen und zu den Anderen führen lassen. Nachdem der Hauptmann, sichtlich erleichtert darüber, dass es keine der von Argosh versprochenen Konsequenzen geben würde, salutierte, wandte sich Sarvan erneut zu der Gruppe um.
„Gehen wir, nach euch.“

