Endlich Heim

Sagarina betrat das Anwesen ihrer Familie ausgelaugt und durchnässt. Letzteres rührte von dem draußen tobenden Gewitter her. Ausgelaugt war sie, weil der hohe Rat die große Halle nicht nur über die Geschehnisse unterrichtet hatte, sondern weil direkt im Anschluss das weitere Verfahren geklärt wurde. An die 50 Boten wurden zwischen der Akademie und der Halle hin und her geschickt, auf der Suche nach einem Schuldigen. Die Untersuchungen zogen sich dermaßen in die Länge, dass es inzwischen Dunkel war.

Ein Bediensteter nahm ihren Mantel und erkundigte sich nach ihrem befinden. Noch in Gedanken antworte sie knapp und strebte direkt auf eine der Türen in der geräumigen Eingangshalle zu. Über der Tür prangte ihr Wappen, das geflügelte „S“ und designierte so den Korridor hinter der Tür als ihren eigenen Bereich. Sagarina war eine Adlige. Soweit Adel in der Festung überhaupt noch existierte, denn Jede wohlhabende Familie die etwas auf sich hielt, schenkte ihren Nachfahren eigene Wappen ihrer Wahl. Glaubte man jedoch den Erzählungen des Hauslehrers, so war die Familie ein Spross einer königlichen Blutslinie. Carne- Abgesehen von seinem exotischen Klang war es für Sagarina nichts weiter als ein Name. Sie wollte nicht ihres Titels oder des Vermögens wegen anerkannt werden. Die eigenen Leistungen, die aufrichtigen Beziehungen zu Mitmenschen, sie gaben Sagarina erst das Gefühl, zu leben.

So begab es sich auch, dass sie nicht lange auf ihrem Ledernen Sessel vor dem Kamin saß, als schon der Hausdiener, Darnel, sich zu ihr gesellte. Darnel war als vollkommener Gentlemen stets respektvoll und zuverlässig, doch war er Sagarina ein Freund geworden, den sie im Gegensatz zu ihrer Familie nicht als Bediensteten betrachtete. So war es ihm erlaubt, sich ohne weitere Formalitäten auf den Sessel neben Sagarinas zu setzen.

„War es ein anstrengender Tag, junge Herr- verzeiht, Sagarina?“ Sie mahnte ihn schon seit langem, sie im Privaten beim Namen zu nennen, doch fiel es ihm noch immer schwer.

„Vor allem ereignisreich, ihr habt sicher von dem Chaos heute gehört. Doch lasst mich am Anfang beginnen…“

 

 

 

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